Wirtschaft : Finanzaufsicht bei Phoenix zu nachlässig

Insolvenzverwalter erhebt Vorwürfe

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Frankfurt am Main In einem der größten Fälle von Anlagebetrug in Deutschland ist am Freitag das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Phoenix Kapitaldiensts eröffnet worden. Das teilte der zum Insolvenzverwalter ernannte Rechtsanwalt Frank Schmitt, der schon im Flow-Tex-Skandal tätig war, mit.

Die Phoenix-Manager haben Schmitt zufolge Tausende von Anlegern über Jahre hinweg mit „plumpen und trivialen Tricks primitiv getäuscht“. Nach Ansicht von Schmitt hätten die Wirtschaftsprüfer und die vom Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) eingesetzten Sonderprüfer von Ernst&Young erkennen können, dass Unterlagen und Kontenauszüge gefälscht waren. Ob der Insolvenzverwalter Ansprüche gegen die Wirtschaftsprüfer anmeldet, ist aber noch offen. Ernst&Young hält Ansprüche gegne sie für ausgeschlossen. Die Gesellschaft sei nicht Abschlussprüfer bei Phoenix gewesen, hieß es.

Am 5. Oktober findet in Frankfurt die erste Gläubigerversammlung statt. Schmitt wird die rund 30000 Geschädigten in den nächsten Tagen schriftlich über den Stand des Verfahrens informieren.

Phoenix musste Anfang März Zahlungsunfähigkeit anmelden, weil massive Betrügereien aufgeflogen waren und sich ein Konto bei einer Londoner Brokerfirma mit angeblich 860 Millionen Dollar als nicht vorhanden erwiesen hatte. Tatsächlich gab es nur ein Festgeldkonto bei der Frankfurter Sparkasse mit rund 230 Millionen Euro. Seit Anfang Juni sitzen die frühere Geschäftsführerin und ein Prokurist in Haft. Sie sollen mehr als 110 Millionen Euro abgezweigt haben.

Nach Angaben von Schmitt wurden die Anleger systematisch getäuscht. Ihnen seien Optionsgeschäfte mit Bruttorenditen von 25 bis 30 Prozent pro Jahr durch offensichtlich gefälschte Jahresabschlüsse vorgegaukelt worden. Die Handelsgeschäfte seien faktisch nie getätigt worden. Zudem hätte ein Blick auf Geschäfte von Hedgefonds schnell deutlich gemacht, dass die Renditen unrealistisch waren. „Es gab genug Warnsignale.“

Die Größtenteils aus Deutschland stammenden Anleger haben netto etwa 500 Millionen Euro investiert. Rechnet man die versprochenen Gewinne hinzu, könnten sich die Forderungen auf 800 Millionen Euro belaufen. ro

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