Wirtschaft : Finanzaufsicht schließt Berliner Wertpapierhaus

Bei Guthmann&Roth sollen Gelder verschwunden sein

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Berlin (dr). Der Berliner Finanzdienstleister Guthmann&Roth AG ist am Montag von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) geschlossen worden. Guthmann&Roth ist eine private Wertpapierhandelsbank, die bisher im Termingeschäft vor allem an den amerikanischen Börsen tätig war. Das Wertpapierhaus wurde unter staatliche Aufsicht gestellt und gleichzeitig ein Insolvenzantrag beim Amtsgericht eingereicht.

Von dem Finanzinstitut war am Montag keine Stellungnahme mehr zu erhalten. Per Bandansage wurde lediglich mitgeteilt, dass „die Geschäfte eingestellt“ worden seien. Die Bundesanstalt erklärte, es gehe um den Verdacht der Untreue. Im Rahmen ihrer Termingeschäfte soll die Bank Kundengelder auf Konten bei einem US-Börsenhändler gehalten haben. Es bestünden Anhaltspunkte dafür, dass diese Gelder von etwa 500 Kunden in Höhe von rund 40 Millionen Euro veruntreut worden seien. Es bestehe die Gefahr eines Totalausfalls, da das Wertpapierhaus offenbar nicht in der Lage sei, den Verlust mit Eigenmitteln zu kompensieren.

Guthmann&Roth gehört der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) an (siehe Lexikon, Seite 16) . Dadurch sind Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften bis zu 90Prozent beziehungsweise 20000 Euro abgesichert. Etliche Kunden, von denen ein Großteil junge Unternehmer und Ärzte aus den neuen Ländern sein sollen, haben dem Vernehmen nach allerdings Einlagen von deutlich über 20000 Euro getätigt. Die EdW wird sich bei den Kunden melden. Bereits Ende 1996 hatte „Börse Online“ den Berliner Finanzdienstleister in ihrer so genannten „Grauen Liste“ aufgeführt. In dieser Liste werden alle Unternehmen erwähnt, über die „Börse Online“ im Graumarkt-Report berichtet hat.

Noch im vergangenen Jahr hatte Guthmann & Roth mitgeteilt, dass man mit der BkmU-Bank (Bank für kleine und mittlere Unternehmen) kooperieren wolle. Ein Team aus Vertretern beider Institute sollte der damaligen Mitteilung zufolge die Anlagestrategie überwachen, „um Synergiepotenziale von klassischen Bankprodukten und alternativen Investmentmöglichkeiten zu nutzen“. Die BkmU wurde bereits im Frühjahr dieses Jahres von der BAFin geschlossen.

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