Wirtschaft : Finanzberatung: Seriosität ist gefragt

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Sie sind jung. Sie verdienen gut - und sie haben keine Ahnung. Was auf den ersten Blick auf einige selbsternannte Finanzexperten zutreffen könnte, beschreibt die Situation von Hochschulabsolventen. Nach einer Umfrage von Dow Jones Newswires besitzen 63 Prozent der 25- bis 45-jährigen Europäer mit Hochschulabschluss keine genauen Vorstellungen darüber, wie sie für ihr Alter vorsorgen sollen.

Über die Beratungsqualität der Banken fällt die Stiftung Warentest regelmäßig vernichtende Urteile. Außerhalb der Banken tummelt sich ein Vielzahl von Vermittlern, Beratern und eine Menge selbsternannter Geldprofis. In diesem Gewimmel einen seriösen Berater zu finden, scheint fast unmöglich. Denn ein allgemein gültiges geprüftes Qualitätssiegel für Finanzberater gibt es noch nicht. Doch es gibt eine Chance, einen seriösen Berater zu finden (siehe Check-Liste). Die sind allerdings nicht ganz billig. "Die Beratung bei Banken und Vermittlern ist nie wirklich gratis, auch wenn keine Gebühr erhoben wird. Denn hierbei bekommt der Kunde häufig das empfohlen, was dem Berater die meisten Provisionen einbringt", warnt Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Ein guter Berater nimmt für eine Stunde Analyse zwischen 250 und 500 Mark. "Das scheint teuer, aber die Investition in einen guten Berater lohnt sich", meint Dietmar Vogelsang, Sachverständiger für Kapitalanlagen und Finanzplanung und Vorsitzender des Verbandes AIFP fee only, dessen Mitglieder ausschließlich gegen Gebühr beraten. Da im Börsencrash der Beratungsbedarf auch für die Kunden der Direktbanken zugenommen hat, bietet zum Beispiel die Münchener DAB-Bank auf ihrer Homepage im Internet ( www.dab.com ) eine Datenbank mit seriösen Beratern an, die der Broker zuvor unter die Lupe genommen hat. "Alle rund 100 Berater in unserer Datenbank sind vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) registriert", erklärt DAB-Vorstandssprecher Matthias Kröner.

Hintergrund: Seit Anfang 1998 benötigt jedes Unternehmen eine Erlaubnis der Bankenaufsicht, wenn es Finanzdienstleistungen "gewerbsmäßig erbringen will", wie es in der entsprechenden Vorschrift heißt. "Wir prüfen unter anderem die Zuverlässigkeit des Anbieters, so wie dessen fachliche Eignung", erklärt BAKred-Sprecher Oliver Struck. Zurzeit seien 1111 Finanzdienstleister beim Amt registriert, deren Namen Anleger im Web nachschlagen könnten ( www.bakred.de ). "Die BAKred-Registrierung sagt aber noch nichts über die Qualität der Beratung aus - sonst wären wohl schon einige Banken geschlossen worden", sagt Verbraucherschützer Bieler. Außerdem fielen reine Anlagevermittler, wie etwa Fondsvermittler, nicht unter den Registrierungszwang, was aber nicht automatisch bedeute, dass diese unseriös seien.

Daher sind Anleger gut beraten, wenn sie auf die Qualifikation ihres Beraters achten. "Das Siegel CFP halten wir dabei für eine sehr seriöse Sache", meint Bank-Chef Kröner. Hinter dem Kürzel CFP verbirgt sich der Begriff "Certified Financial Planner". Diesen weltweit anerkannten Titel dürfen Berater nur führen, wenn sie den Studiengang "Finanzökonomie" abgeschlossen und sich einer Prüfung des DEVFP, des Deutschen Verbandes Financial Planners, unterzogen haben. CFP-Berater nehmen die gesamte Finanzsituation des Kunden unter die Lupe und optimieren sie. Eine Liste mit den lizensierten Planern gibt es unter www.devfp.de .

Auch wenn die Qualifikation der CFP nicht in Frage seht, bemängelt der Sachverständige Dietmar Vogelsang, dass einige CFP zum Teil auch auf Provisionsbasis arbeiten. Wolfgang Reittinger, Geschäftsführer der Commerz-Finanz-Management und Vorsitzender des DEVFP, verteidigt diese Praxis: "Die Umsetzung der Strategien wäre ohne Provisionen für den Kunden zu teuer." Die Kunden wären nicht bereit, die kostendeckenden Preise zu bezahlen. Das mag sein - allerdings sollten dann die Provisionen zumindest offen ausgewiesen werden.

Im Versicherungsbereich ist es einfacher, guten unabhängigen Rat zu finden: Denn hier gibt es den gerichtlich zugelassenen Versicherungsberater. Eine Liste der Versicherungsberater gibt es im Internet beim Verband ( www.bvvb.de ).

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