Finanzbetrug : Neue Hoffnung für Phoenix-Geschädigte

Ein neuer Insolvenzplan soll den Gläubigern des insolventen Phoenix Kapitaldienstes eine teilweise Rückzahlung des verlorenen Geldes bescheren. Zumindest die Einlagen könnten teilweise wieder ausgezahlt werden.

Frankfurt/Main - "Wird der Insolvenzplan angenommen, könnten die Gläubiger im dritten Quartal dieses Jahres Geld bekommen", sagte Insolvenzverwalter Frank Schmitt, gut zwei Jahre nach der Pleite des Unternehmens. An diesem Donnerstag (19.4.) stimmen die Gläubiger bei einer Versammlung in Frankfurt über den von Schmitt vorgelegten Insolvenzplan ab. Erwartet werden etwa 1000 Geschädigte.

Der Vorschlag lautet, 200 Millionen Euro aus der gesicherten Insolvenzmasse von 230 Millionen Euro vorab auszuschütten. Dabei sollen den etwa 30.000 geprellten Anlegern ihre Nettoeinlagen inklusive der Vermittlungsprovisionen angerechnet werden - nicht aber Scheingewinne, die Phoenix durch erfundene Optionsgeschäfte vorgegaukelt hatte. "Das ist aus unserer Sicht eine faire Lösung, weil alle Gläubiger gleich behandelt werden", sagte Schmitt.

30 Prozent der Einlagen zurück

"Das Problem ist, dass die genaue Forderungshöhe noch immer nicht feststellbar ist. Wenn die geschädigten Anleger schnell Geld wollen, müssen wir einen einheitlichen Modus festlegen, nach dem die Insolvenzmasse verteilt werden kann", erläuterte Schmitt. Sollte der Plan mehrheitlich gebilligt werden, könnten Anleger im Spätsommer 2007 etwa 30 Prozent ihrer Einlagen zurückbekommen. "Findet der Plan keine Mehrheit, muss das bis zum Bundesgerichtshof durchgefochten werden - das kann acht bis zehn Jahre dauern", sagte Schmitt.

Phoenix Kapitaldienst hatte mit Hilfe gefälschter Unterlagen Wertpapiergeschäfte vorgetäuscht und Anleger seit Anfang der 1990er Jahre um gut 600 Millionen Euro geprellt. Der Betrug war Anfang 2005 aufgeflogen, weil nach dem Tod von Firmengründer Dieter Breitkreuz die Geschäftsführung gewechselt hatte. Phoenix Kapitaldienst musste schließlich Insolvenz anmelden. Zwei Ex-Manager des Frankfurter Unternehmens waren im vergangenen Sommer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Streit um Treuhandkonten

Gegenwind erwartet Schmitt bei der Gläubigerversammlung am Donnerstag bei der Behandlung so genannter Treuhandkonten. Normalerweise würden solche Konten in einem Insolvenzverfahren gesondert behandelt. "Unser Vorschlag ist, alle bei Phoenix geführten Bankkonten in den Gesamttopf der Insolvenzmasse einfließen zu lassen, weil sie nicht einzelnen Gläubiger zugeordnet werden können und weil diese Konten bei Phoenix im Grunde auch keine Treuhandkonten waren." Auf solchen derart geführten Bankkonten, auf denen die Anleger eingezahlt hatten, lagen etwa 160 Millionen Euro der 230 Millionen Euro gesicherte Insolvenzmasse.

Weiteres Geld für die geprellten Anleger erhofft sich Schmitt durch Steuerrückerstattungen des Finanzamtes und die Rückforderung von Scheingewinnen. "Viele Anleger haben über Scheingewinne von dem Betrugssystem profitiert." 1700 Fälle seien inzwischen ausgemacht, Anfechtungsklagen wegen der Scheingewinne seien in Vorbereitung. (tso/dpa)

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