Finanzbranche : Landesbank peilt 250 Millionen Euro Gewinn an

Die Landesbank Berlin will im laufenden Jahr trotz anhaltender Finanzkrise kräftig verdienen. Man sei zuversichtlich, einen Gewinn von mehr als 250 Millionen Euro vor Steuern zu erzielen, kündigte Vorstandschef Hans-Jörg Vetter. Er warnt aber vor zu großem Optimismus in der Finanzbranche.

Stefan Kaiser

Berlin - Mit seiner Prognose wagte Vetter, was sich die meisten deutschen Bankchefs bisher nicht getraut haben. Die Lage an den Finanzmärkten sei zu unsicher, um Voraussagen für das Jahresergebnis zu treffen, hieß es in den vergangenen Monaten etwa bei Deutscher Bank und Commerzbank, aber auch bei den großen Landesbanken in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Auch Vetter hatte bisher eine Prognose gescheut. Dass er jetzt doch noch eine Zahl nannte, ist offenbar auf das gute Abschneiden im gerade abgelaufenen zweiten Quartal zurückzuführen. „Es lässt sich bereits absehen, dass das Ergebnis des zweiten Quartals deutlich über dem des ersten liegen dürfte“, sagte Vetter. In den ersten drei Monaten hatte die LBB einen Vorsteuergewinn von 43 Millionen Euro erreicht und lag damit deutlich besser als andere Banken, die wegen der Finanzkrise teilweise in die Verlustzone gerutscht waren. 2007 hatte die LBB noch einen Vorsteuergewinn von 291 Millionen Euro erwirtschaftet.
 
Zu Jahresbeginn habe die Kreditwirtschaft eine Unsicherheit an den Finanzmärkten erlebt, wie es sie zuletzt in den 30er Jahren gegeben habe, sagte Vetter. Mittlerweile gebe es zwar leichte Zeichen einer Entspannung, jedoch sei es noch zu früh, von einer Trendwende zu sprechen. „Die Folgen der Verwerfungen an den Märkten werden uns noch einige Zeit begleiten“, warnte Vetter. Das Geschäftsmodell der LBB sei aber „nicht nur in Schönwetterperioden erfolgreich und profitabel, sondern auch, wenn – wie im Jahr 2007 – schwere Gewitterwolken aufziehen“. Für die Zukunft stellte er sogar Zukäufe in Aussicht. Man werde „nach Gelegenheiten Ausschau halten“.

Als Zeichen für den Erfolg präsentierte der Bankchef den gut 500 anwesenden Aktionären eine Dividendenerhöhung von sechs Cent auf zehn Cent pro Aktie. Den Großteil der rund 100 Millionen Euro starken Ausschüttung streichen allerdings rund 400 deutsche Sparkassen ein. Ihr Dachverband DSGV hatte im vergangenen Jahr rund 81 Prozent der LBB für 5,3 Milliarden Euro vom Land Berlin gekauft. Mittlerweile hält der DSGV sogar 98,6 Prozent. Viele frühere Aktionäre hatten sein Übernahmeangebot von 6,81 Euro pro Aktie angenommen.

Die verbliebenen 1,4 Prozent der Aktionäre hoffen noch auf Kurssteigerungen – bisher vergebens. Im Zuge der allgemeinen Finanzkrise ist der Aktienkurs der LBB mittlerweile auf 5,16 Euro gefallen. „Sind wir die Deppen der Nation?“, fragte deshalb ein Aktionär – und gab gleich die Antwort: Nein. Er gehe davon aus, dass der Aktienkurs wieder steige.

Die meisten, die jetzt noch dabei sind, dürften mit der Aktie viel Geld verloren haben. Im Zuge des Skandals um die Bankgesellschaft Berlin, wie die LBB bis vor zwei Jahren hieß, war der Aktienkurs des Instituts im Jahr 2001 dramatisch abgestürzt – von 15 Euro auf 1,25 Euro. „Meine gesamte Vorsorge ist dahin“, wetterte am Freitag ein Aktionär. „Ich hatte damals gedacht, dass bei einem Unternehmen im Besitz des Landes nichts schiefgehen kann.“

Auch Aktionärsschützer wiesen auf die unrühmliche Geschichte der Bank hin. „Die Aktionäre, die hier sitzen, sind die Treuesten der Treuen, die die Fehler der Vergangenheit ausbaden müssen“, sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Für das aktuelle Management gab es dagegen Lob: „Diese Bank wird sehr gut geführt“, sagte Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Das konnte man früher nicht sagen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben