Finanzen : Berliner Software-Spezialisten machen Kommunalkassen transparenter

Die meisten Gemeinden verlassen sich zu sehr auf ihre Bank, sagt Michael Venbert, Chef der Firma Makrofinance. Seine Software hilft Bürgermeistern, Risiken zu erkennen

Hannes Heine

Die Finanzkrise macht nur schlimmer, was viele Kommunen schon seit Jahren plagt: finanzielle Schwierigkeiten. Während die Gemeinden auch 2009 unter den Zinsen für ihre insgesamt 110 Milliarden Euro Schulden stöhnen, können sich vier Berliner Software-Spezialisten auf ein viel versprechendes Jahr freuen. Mit ihrem „interkommunalen Finanzierungsvergleich" hatten die Mitarbeiter der Berliner Firma Makrofinance Software eine zeitgemäße Idee: Mit Hilfe der Software wurden in den vergangenen zwei Jahren die Kosten und Risiken der Kreditportfolien von mehr als 200 Kommunen untersucht.

Diese Idee gefiel der arbeitgebernahen Initiative „Deutschland – Land der Ideen" und der Deutschen Bank so gut, dass sie Makrofinance am Montag als „Ausgewählten Ort 2009" ausgezeichnet haben. Vor allem Derivate, die keiner festen Zinsbindung unterliegen, hatten die Spezialisten um Makrofinance-Geschäftsführer Michael Venbert bei ihrer für die Kommunen kostenlosen Untersuchung im Blick. Der Handel mit derivativen Finanzprodukten hat in den vergangenen Jahren zugenommen, dabei hängt der Gewinn von der Preisentwicklung eines Basiswertes ab, etwa Kursschwankungen von Aktien oder Währungen. Das kann sinnvoll sein, ist mitunter aber risikoreicher als nötig. Makrofinance hat deshalb unter anderem die Auswirkungen von möglichen Zinsänderungen am Kapitalmarkt simuliert und den Gemeinden anschaulich verschiedene Szenarien dargelegt. Das Ziel: Die Kommunen sollen finanzielle Risiken besser einschätzen können, und unnötige Risiken und Kosten für Kredite vermeiden.

„Wir brauchen grundsätzlich mehr Transparenz", sagte Venbert dem Tagesspiegel. Die meisten Kommunen würde sich zu sehr auf ihre Bank verlassen. Bei 30 Prozent der untersuchten Kommunen bestehe in Sachen Finanzmanagement jedenfalls Handlungsbedarf, sagte Venbert. Makrofinance bietet entsprechend bezahlte Dienste an. Erst vor wenigen Tagen hatten die Kommunen bei der Debatte um das zweite Konjunkturpaket der Bundesregierung großen Geldbedarf gemeldet – bis zu 70 Milliarden seien für Investitionen in die Infrastruktur nötig.

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