Finanzen : Neuer Banker für Berlin

Andreas Goßmann führt künftig die Weberbank

Stefan Kaiser

Berlin - Andreas Goßmann ist auf Wohnungssuche. Gemeinsam mit seiner Frau will der 47-Jährige, der am heutigen Montag seinen Posten als neuer Vorstandsvorsitzender der Weberbank antritt, nach Berlin ziehen. Das ist ein Zeichen dafür, dass er langfristig plant.

Zuletzt glich der Chefposten der Bank eher einem Karussell mit ständig wechselnden Fahrgästen. Seit der Übernahme der Privatbank durch die Düsseldorfer West LB im Jahr 2005 kamen und gingen drei Chefs beziehungsweise designierte Chefs. Im Sommer war der ein Jahr zuvor geholte Harald Christ abgesprungen. In der vergangenen Woche wurde der elf Monate als Interimschef agierende Michael Graf Strasoldo in den Ruhestand verabschiedet. Nun soll mit Goßmann Kontinuität einkehren.

Der gelernte Sport- und Erdkundelehrer hat eine wechselhafte Karriere als Banker hinter sich. Schon früh wurde er zu einem Star in der deutschen Finanzbranche. Im Jahr 2001 schaffte er es im Alter von 40 Jahren an die Spitze des Deutschen Investment-Trust (Dit), der Fondsgesellschaft der Dresdner Bank. Doch nach nur elf Monaten räumte er den neuen Spitzenposten schon wieder – auf eigenen Wunsch, wie es damals offiziell hieß. Die Hintergründe des schnellen Abgangs sind nicht überliefert. Als wahrscheinlich gilt, dass die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz eine entscheidende Rolle spielte.

Auch auf seinem nächsten Posten hatte Goßmann wenig Glück. 2002 wechselte er in den Vorstand der Frankfurter Sparkasse und wurde dort bald Vizechef. Doch schon 2004 musste Goßmann gehen – auf Druck der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), die ihn und vier andere Manager beschuldigte, die wahre Höhe der Kreditrisiken der angeschlagenen Sparkasse verschleiert zu haben. Die formelle Rehabilitierung folgte erst Jahre später: Im Juli 2007 stellte die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen die vier Manager wegen mangelnden Tatverdachts ein.

Wirklich rehabilitiert wurde Goßmann erst durch einen neuen Job: Im November 2007 heuerte der Banker bei der West LB in Düsseldorf an, um den Vorstand beim Umbau der angeschlagenen Landesbank zu beraten. Der Dank für die offenbar erfolgreiche Tätigkeit ist nun der neue Führungsposten bei der Weberbank.

Trotz seiner wechselhaften Karriere genießt Goßmann in der Finanzbranche einen ausgezeichneten Ruf. Beobachter sprechen von einem „exzellenten Banker“. Bei der Frankfurter Sparkasse habe er es „in kurzer Zeit geschafft, die Mitarbeiter zu mobilisieren“, schwärmt ein damaliges Mitglied des Verwaltungsrates. Man sei immer von seinem Können überzeugt gewesen und habe ihn deshalb nur widerwillig auf Druck der Bafin gehen lassen. Stefan Kaiser

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