Angst vor Börsencrash : Das große Zittern

US-Hypothekenkrise: An den Finanzmärkten wächst die Besorgnis vor einer weltweiten Kreditklemme. Banken und Fonds geraten in den Abwärtsstrudel.

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die US-Hypothekenkrise hat die Börsen weltweit fest im Griff. Obwohl die Notenbanken erneut frisches Geld ins Bankensystem pumpten, gaben die Aktienkurse in den USA, Japan und Europa am Freitag erneut kräftig nach. Der Dax lag am Abend mit 7350 Punkten um 1,4 Prozent im Minus. Zugleich wurde spekuliert, dass nach der Mittelstandsbank IKB weitere deutsche Banken in eine Schieflage geraten könnten. Die sächsiche Landesbank dementierte einen entsprechenden Zeitungsbericht. „Wir haben keine Liquiditätsprobleme. Wir können alle unsere Verpflichtungen erfüllen“, sagte ein Sprecher. Einige Investmentfirmen kämpfen unterdessen mit Mittelabflüssen bei Spezialfonds, die auf dem Markt für Ramsch- Hypotheken investiert haben.

„Das Kartenhaus beginnt zu wackeln“, schrieben die Analysten von ABN Amro. Die Aktie ihres Arbeitgebers brach wegen möglicher Probleme bei der geplanten Übernahme des niederländischen Instituts ein. Die Bank Fortis soll Schwierigkeiten bei der Finanzierung ihres Teils der ABN- Übernahme (24 Milliarden Euro) haben.

„Überall wird Kasse gemacht, alle bauen ihr Risiko ab“, fasste Händler Dirk Müller vom Brokerhaus ICF die Lage zusammen. „Der Druck, der von der Subprime-Krise kommt, lässt einfach nicht nach“, erklärte Jörg Treptow, Händler bei MM Warburg. Für Christian Schmidt von der Helaba verdrängt das Thema derzeit die Quartalsberichtssaison. „Sollten noch weitere Unternehmen zugeben, dass sie Probleme mit der US-Hypothekenkrise haben, und noch weitere Dinge ans Tageslicht kommen, dann wären Kursziele über 7000 Punkte noch optimistisch“, sagte er mit Blick auf den Dax. Die Intervention der Zentralbanken sieht Dirk Müller kritisch; „Wenn sich Notenbanken rund um den Globus zu so etwas veranlasst sehen, dann ist Feuer unter dem Dach.“

Mit Blick auf die Fondsbranche gab der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), der die Interessen von 80 Investmentgesellschaften vertritt, am Freitag nur halbwegs Entwarnung. „Reine Geldmarktfonds haben derzeit keine Probleme, es gibt sogar Zuflüsse“, sagte BVI-Sprecher Andreas Fink dem Tagesspiegel. Er empfahl Anlegern, bei denen Geldmarktfonds seit Jahren sehr beliebt sind, Ruhe zu bewahren. Eine Umfrage unter den großen Anbietern habe allerdings ergeben, dass es Kapitalabflüsse bei ABS-Fonds (Asset Backed Securities) gebe. „Da ist schon einiges zu spüren“, sagte Fink. ABS-Fonds investieren in Anleihen, die durch Kreditforderungen besichert sind. Einige Fonds haben sich dabei offenbar auf dem US-Markt für bonitätsschwache Immobilienkredite (Subprime) verspekuliert. Deutschlands größte Fondsgesellschaft, die Deutsche-Bank-Tochter DWS, sah sich am Freitag zu einem Dementi gezwungen: „Der DWS-ABS-Fonds ist offen“, hieß es in einer Mitteilung. Ein Zeitungsbericht hatte Spekulationen genährt, dem größten deutschen ABS- Fonds, der in Kreditverbriefungen erstklassiger Bonität investiert, drohe die Schließung. Die DWS räumte ein, dass das Fondsvolumen seit Ende Juli bis Donnerstag um 900 Millionen Euro auf 2,1 Milliarden Euro geschrumpft ist. Die Verunsicherung erreiche auch den Markt für erstklassige Hypothekenkredite, hieß es.

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