Anlagen : Flucht aus den Immobilienfonds

Zwei Gesellschaften stoppen den Rückkauf von Anteilen

Berlin/München - Die Finanzkrise hat die ersten Immobilienfonds in Deutschland dazu gezwungen, die Gelder ihrer Investoren einzufrieren. Investoren des offenen Immobilienfonds „KanAm US-Grundinvest Fonds“ könnten ihre Anlagen für zunächst drei Monate nicht mehr verkaufen, teilte KanAm am Dienstag mit. Die Finanzkrise habe bei den Anlegern zu einer „nie dagewesenen Verunsicherung“ und zu Umschichtungen von Wertpapieren „in einem bisher nicht gekannten Ausmaß“ geführt. Die Fondsgesellschaft AXA Investment Managers erklärte, Wünsche nach Auszahlungen aus ihrem 3,6 Milliarden Euro schweren Fonds „AXA Immoselect“ seien für drei Monate ausgesetzt. Hintergrund sei, dass Anleger innerhalb von vier Wochen rund 420 Millionen Euro abgezogen hätten.

Am Mittwoch folgte die TMW Pramerica Property Investment GmbH, die ankündigte, die Rücknahme von Anteilen des „TWM Immobilien Weltfonds“ für zunächst drei Monate auszusetzen. Dem Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) zufolge lässt sich aus den Aussetzungen aber kein Trend ableiten. Bereits 2006 hatte KanAm einen ihrer Fonds schließen müssen (ebenfalls den Grundinvest). Damals suchte KanAm die Schuld bei der Rating-Agentur Scope. Es stellt sich dennoch die Frage, wie groß die Reserven von KanAm sind. Neukäufer sollten darauf achten, wie hoch die Liquiditätsreserve des einzelnen Fonds ist. Vorgeschrieben sind mindestens fünf Prozent des Fondsvermögens. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass „Betongold nicht liquide ist“. Verschärft wird das Problem dadurch, dass etwa 40 Prozent der Investoren in den US-Grundinvest mehr als eine Million Euro angelegt hatten. Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der DSW, fordert eine „Rücknahmegarantie für Kleinanleger“. Der Herausgeber des „Fondstelegramms“, Stefan Loipinger, macht Beratern und Fonds schwere Vorwürfe. „Wer heute den offenen Immobilienfonds als sicheren Hort in Krisenzeiten anpreist, der verkennt die Ursache der Finanzkrise“, schreibt er. dr

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