Anlagen : Guter Rat gefragt

Die Finanzkrise verunsichert viele Anleger. Davon profitieren Honorarberater. Denn allmählich spricht sich herum, dass auch vermeinlich kostenfreie Beratungen durch Provisionen bezahlt werden.

David C. Lerch
Beratung
Unzufrieden. Viele Anleger sind mit der Beratung bei der Bank unzufrieden. Zwischen 20 und 30 Milliarden Euro verlieren sie...Foto: avatra

Berlin - Guter Rat ist teuer. Was bei vielen Berufsgruppen als selbstverständlich gilt und was der Volksmund schon lange weiß, ist in Geldfragen nicht sehr verbreitet. Nur wenige sind bereit, für Finanzberatung zu bezahlen. Rat gegen Honorar ist in Deutschland nach wie vor ein Nischenprodukt, das nach Angaben des Verbunds Deutscher Honorarberater (VDH) etwa ein Prozent des Gesamtmarkts ausmacht. Den Rest bestreiten Banken und freie Finanzdienstleister, die ihre Produkte vermeintlich kostenfrei anbieten. Die Beratung ist dabei tatsächlich meistens umsonst. Doch bei Vertragsabschluss fallen Provisionen an, von denen der Berater lebt, und die der Kunde – häufig versteckt – bezahlen muss.

Das ärgert Verbraucherschützer. „Die fehlende Transparenz ist ein Grund, warum eine Vielzahl von Sparern von der Finanzkrise betroffen ist“, sagt Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin. Es sei ein weit verbreiteter Irrtum, dass Anlageberatung bei Banken kostenlos ist.

Auch die Bundesregierung hat die Bedeutung des Themas erkannt. Laut einer Studie, die das Ministerium für Verbraucherschutz vor kurzem vorstellte, verlieren die Deutschen jährlich zwischen 20 und 30 Milliarden Euro durch schlechte Finanzberatung. Das Fazit der Studie ist eindeutig: „Fehlleistungen sind eher die Regel als die Ausnahme.“

Durch die Krise und schlechte Erfahrungen steigt die Unsicherheit bei Anlegern. Der Bedarf an Beratung wächst und auch die Bereitschaft, dafür zu bezahlen. Das bestätigt der VDH, der nach eigenen Angaben 1200 Berater in 320 Unternehmen und damit 90 Prozent aller Honorarberater in Deutschland vertritt. „Seit der Pleite von Lehman Brothers ist die Nachfrage gravierend gestiegen. Unsere Mitglieder berichten von einer Verdreifachung der Verbraucheranfragen“, sagt VDH-Geschäftsführer Dieter Rauch.

Diesen Trend sieht auch Dietmar Vogelsang, Honorarberater aus Bad Homburg. Vogelsang betreibt das Internetportal www.berater-lotse.de. Dort sind derzeit etwa 1300 Berater aufgelistet, die sich vertraglich verpflichtet haben, keine Provisionen zu kassieren. Aus den letzten Monaten berichtet Vogelsang von immer mehr Kontakten über die Internetseite. „Die Menschen wollen einen neutralen Rat und sind meistens auch bereit, dafür zu bezahlen.“ Allerdings führe das auch dazu, dass die Zahl der Honorarberater sprunghaft steigt und es schwieriger werde, den richtigen Berater zu finden (siehe Kasten). Ein Anhaltspunkt kann der Titel „Certified Financial Planner“ sein, den jedoch auch viele abhängige Berater tragen.

Dass Kunden unabhängigen Rat suchen, bedeutet dabei nicht zwangsläufig, dass sie ihrer Bank den Rücken kehren. So berichtet etwa eine Sprecherin der Berliner Bank in der Hardenbergstraße von einem deutlich erhöhten Beratungsbedarf bei den Kunden. Auch wenige Kilometer entfernt, am Kurfürstendamm, sind die Bankberater gefragt. Dort sitzt die Quirin Bank, ein kleines Privatinstitut mit 3800 Kunden, das ausschließlich auf Honorarberatung setzt und mit dem Werbeslogan „Die neuen Gesetze des Private Banking“ Kunden mit einem Vermögen ab 50 000 Euro ansprechen will. Statt eines kostenlosen Gesprächs und versteckter Provisionen verlangt die Quirin Bank eine monatliche Grundgebühr von 75 Euro und bietet zwei unterschiedliche Modelle. Wer die Vermögensverwaltung der Bank überlässt, bezahlt zusätzlich 20 Prozent des erwirtschafteten Gewinns. Wer nur Anlagetipps einholt und selbst handelt, muss zusätzlich zur Grundgebühr ein Prozent des Depotvolumens zahlen. Alle Provisionen fließen vierteljährlich auf das Konto des Kunden.

Die Strategie von Quirin gefällt dem Ministerium für Verbraucherschutz. Die Finanzstudie lobt das Angebot der Bank als transparent und innovativ. Dieses Beispiel, so heißt es, könne der Honorarberatung Auftrieb geben. In der Bank selbst spürt man einen leichten Aufwind. „Wir merken, dass die Leute zu uns kommen, aber wir stehen noch am Anfang“, sagt der Leiter der Berliner Filiale, Robert Dietz. Häufig müsse man den Kunden zunächst klarmachen, wie viele versteckte Kosten sie bisher gezahlt hätten.

Doch Honorarberatung kann sich nicht nur für große Geldbeträge lohnen. Die Stundensätze in der Branche liegen nach Angaben der Verbraucherzentrale Berlin zwischen 50 und 200 Euro pro Stunde. So eine Investition könne sich mit einer richtigen Beratung durchaus lohnen, so die Verbraucherschützer. Auch sie spüren zurzeit die Verunsicherungen der Anleger. Im November und Dezember stellte man in Berlin mit Senatsmitteln zwei zusätzliche Finanzberater ein – auf Honorarbasis.

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