Anlagen : Was vom Sparplan übrig bleibt

Fondssparpläne gehören zu den Lieblingsanlagen der Deutschen. Doch Abgeltungsteuer und Verwaltungskosten können die Erträge aufzehren.

Veronika Csizi
Geld
Wer 30 Jahre lang 100 Euro pro Monat einzahlt, muss bei 9,9 Prozent Jahresrendite insgesamt 38.0000 Euro Steuern zahlen. -Foto: dpa

Die Deutschen sind Fondssparer. Allein bei den Fondsgesellschaften sind nach Angaben des Branchenverbandes BVI gut 14 Millionen Fondssparpläne registriert. Mehr als 80 Prozent davon sind nicht Riester-Sparverträge, sondern ganz normale, ungeförderte Sparpläne, darunter knapp vier Millionen Verträge für Vermögenswirksame Leistungen (VL), also Sparverträge, bei denen der Arbeitgeber bis zu 40 Euro pro Monat beisteuert.

Seit dem 1. April legt der Staat zwar VL-Fondssparern mit höchstens 20 000 Euro (40 000 bei Verheirateten) Einkommen ein Schippchen drauf: Statt 72 gibt’s nun 80 Euro Arbeitnehmer-Sparzulage, für den gesamten Vertrag (sechs Jahre Laufzeit plus ein Jahr Wartezeit) sind dies also maximal 480 statt bisher 432 Euro. Allerdings: Was in die eine Tasche wandert, wird aus der anderen wieder entnommen. Denn auch für VL-Verträge verlangt der Finanzminister seit 2009 25 Prozent Abgeltungsteuer. Sollten die Börsen in den kommenden sieben Jahren wieder Gewinne abwerfen, dann werden die staatlichen Zulagen von der Abgeltungsteuer mehr als aufgefressen.

Ein Beispiel: Sparpläne mit deutschen Aktienfonds liegen zwar aktuell auf Sicht von fünf, sieben und zehn Jahren im Schnitt im Minus. Schuld sind die aktuelle Börsenkrise sowie teilweise auch die Krise zwischen 2000 und 2003. Bis Ende 2007 jedoch, so rechnet der Verband BVI vor, hätte ein VL-Fondssparplan, in den sechs Jahre lang 40 Euro pro Monat eingezahlt wurden, im Schnitt 4831 Euro eingebracht, plus 480 Euro Sparzulage. Künftig behält der Finanzminister von den 1951 Euro Spar-Ertrag insgesamt 514 Euro Abgeltungsteuer (inklusive Solidaritätszuschlag) ein – also mehr, als er an Zulagen ausgeschüttet hat. Je besser sich die Börsen entwickeln, desto ungünstiger wird dieses Verhältnis, denn der Zinseszinseffekt beschleunigt die Gewinnentwicklung im Vergleich zu den Einzahlungen erheblich.

Noch stärker werden also die Einbußen langfristiger Fondssparer ausfallen. Bisher lagen die jährlichen Renditen im langfristigen Blickwinkel stets bei etwa acht Prozent pro Jahr. Je nach Börsenphase sind es, wie aktuell, etwas weniger beziehungsweise etwas mehr. So warfen deutsche Aktienfonds von Ende 1978 bis Ende 2008 wegen des drastischen Kursverfalls in der Finanzkrise im Schnitt 6,4 Prozent pro Jahr ab, während es zwischen 1977 und 2007 satte 9,9 Prozent waren. Würde man diese Zahlen auf die Zukunft projizieren, so ergäbe sich folgende Rechnung: Wer 30 Jahre lang 100 Euro pro Monat oder insgesamt 36 000 Euro in einen Fonds steckt, kassiert bei 6,4 Prozent Rendite am Ende gut 57 000 Euro Gewinn. Bei 9,9 Prozent Rendite kämen zur eigenen Sparleistung sogar 143 000 Euro Ertrag hinzu. Doch der Staat kassiert davon rund 38 000 Euro ab – mehr als der Sparer selbst zurückgelegt hat.

Der BVI kritisiert, dass damit selbst scheinbare Gewinne besteuert werden. Denn der faktische Wert der ersparten Summe sinkt durch die Inflation über 30 Jahre erheblich. Selbst wenn man nur eine Geldentwertung von 1,5 Prozent pro Jahr unterstellt, sind zum Beispiel 40 000 Euro in 30 Jahren nur noch 25 600 Euro wert. Plant man, die Sparleistung am Ende in eine Rente umzuwandeln und damit den Lebensstandard im Alter zu verbessern, so muss dies bereits jetzt berücksichtigt werden, warnen Verbraucherschützer. Denn durch die Abgeltungsteuer sinke die monatlich geplante Rente je nach Sparleistung und Gewinnanteil schnell um 100 bis 200 Euro.

Trotz Abgeltungsteuer, versichern etwa die Verbraucherzentralen, seien Fondssparpläne langfristig eine renditestarke Alternative zum Versicherungssparen. Dass fondsgebundene Lebensversicherungen von der Abgeltungsteuer befreit seien, ihr Ertrag nur zur Hälfte mit dem persönlichen Steuersatz besteuert werde, sei nicht einzusehen. Zudem nagten an den Versicherungspolicen häufig hohe Gebühren für den Vertrieb. Auch bei normalen Fondssparverträgen auf eigene Faust wirken sich hohe Gebühren auf lange Sicht stark aus.

Ohnehin ist die Kostenfrage ein Kernstück einer simplen, aber effektiven Geldanlage. Viele Anleger beachteten dieses Thema zu wenig, meint der Mannheimer Finanzprofessor Martin Weber. Ein kleines Rechenbeispiel zeigt jedoch, wie stark sich Verwaltungs- und Managementkosten unter dem Strich auf lange Sicht auswirken: Wer jeden Monat 300 Euro in einen Fonds steckt und dafür jedes Mal fünf Prozent Ausgabeaufschlag und 1,5 Prozent Verwaltungsgebühren zahlt, hat nach 30 Jahren bei einer jährlichen Rendite von acht Prozent vor Steuern 302 000 Euro auf dem Konto. Ohne Ausgabeaufschlag und mit 0,2 Prozent Gebühren wären es 408 000 Euro, also über 100 000 Euro mehr.

Fast alle Banken bieten mittlerweile Sparpläne mit sogenannten Exchange Traded Funds (ETF) an, das sind börsengehandelte Fonds, die passiv, also meist ohne Management, in einen bestimmten Index investieren und dadurch sehr günstig sind. Ein Ausgabeaufschlag fällt nicht an, auch die Verwaltungsgebühren liegen meist mit 0,2 bis 0,4 Prozent deutlich unter den Kosten normaler Fonds. Hinzu kommt, dass passive Investmentfonds in den meisten Fällen auch bei der Wertentwicklung die aktiv gemanagten Fonds um Längen schlagen. Ein attraktives ETF-Universum zum Sparen bieten vor allem die beiden Direktbanken DAB und Comdirect an. Allerdings: ETF können nicht als Vermögenswirksame Leistungen angelegt werden. Auch der Staat fördert sie nicht.

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