ANLEGER Frage : an Klaus Schneider Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger

Wie attraktiv sind Bahn-Volksaktien?

an Klaus Schneider

Die SPD plant, bei der Bahnprivatisierung stimmrechtslose Vorzugsaktien als „Volksaktien“ einzusetzen. Was ist davon zu halten? Was haben Kleinaktionäre von solchen Papieren?

Eines der strittigen Themen in der großen Koalition ist die (Teil-)Privatisierung der Bahn. Während die Union 49 Prozent der Aktien über die Börse veräußern möchte, missfällt insbesondere der SPD-Linken aus verschiedenen Gründen die Bahnprivatisierung.

So fürchten die Skeptiker des Börsengangs einen wesentlichen Einfluss von Finanzinvestoren auf die Bahn. Um dies zu vermeiden, ist man auf die Idee verfallen, neben Stammaktien (das sind Aktien, die ein Stimmrecht besitzen) stimmrechtslose Vorzugsaktien (die für den Verzicht auf das Stimmrecht eine geringfügig höhere Dividende gewähren) auszugeben. Das Ganze soll dann als Volksaktie zu reduzierten Preisen an Kleinanleger veräußert werden.

Was haben nun die Kleinanleger davon? Immerhin gibt es eine etwas höhere Dividende (üblicherweise jedoch nur 0,02 Euro je Aktie mehr) bei niedrigerem Kurs, zusammen also eine höhere Dividendenrendite. Allerdings erzielt der Anleger den wesentlicheren Teil seines Anlageerfolges nicht aus den Dividenden, sondern aus Kurszuwächsen. Und hier schneiden in den meisten Fällen Vorzugsaktien wesentlich schlechter ab als Stammaktien. Für den Kleinaktionär mag das Stimmrecht zwar keinen Wert haben, da aber andere Anleger durchaus Interesse an dem Stimmrecht haben, sind Stammaktien häufig attraktiver und weisen deshalb eine bessere Kursentwicklung auf.

Für den Bund wäre die Ausgabe von Vorzugsaktien der Bahn auch ein schlechtes Geschäft. Zum einen wird er für die Vorzugsaktien nur einen wesentlich niedrigeren Preis als für Stammaktien erlösen. Zum anderen dürften auch die Kurse für die Stammaktien zurückbleiben, da eine Emission von relativ wenigen Stammaktien für viele institutionelle Anleger nicht attraktiv ist.

Somit dient die geplante Bahn-Volksaktie weniger der Ersparnisbildung des Kleinanlegers. Sie ist vielmehr ein Instrument zur Verhinderung des Börsengangs der Bahn.

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