ANLEGER Frage : an Klaus Schneider Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger

Wer zahlt Abgeltungsteuer?

an Klaus Schneider

Die Abgeltungsteuer kommt 2009. Banken und Fondsgesellschaften raten dazu, noch im laufenden Jahr Wertpapiere oder Fondsanteile zu kaufen, um der Steuer künftig zu entgehen. Wer ist betroffen und sollte dem Rat folgen?

Wer noch bis zum 31. Dezember 2008 Wertpapiere erwirbt, kann diese nach einer Haltedauer von mindestens zwölf Monaten ab 2009 auch weiterhin steuerfrei veräußern – unabhängig davon, wie stark der Kurs gestiegen ist. Wer also in diesem Jahr Geld zur langfristigen Wertanlage zur Verfügung hat und nicht völlig pessimistisch hinsichtlich der weiteren Börsenentwicklung eingestellt ist, der sollte den Erwerb von Aktien oder Aktienfonds ins Auge fassen. Denn diese Wertpapiere leiden vom kommenden Jahr an am stärksten unter der Abgeltungsteuer, wohingegen Pfandbriefe, Bundesanleihen und ähnliche festverzinsliche Wertpapiere sowie Rentenfonds eher von der Abgeltungsteuer profitieren, weil ihre Zinsen nicht mehr nach dem (meist höheren) persönlichen Einkommensteuersatz besteuert werden.

Da Banken und Sparkassen ihren Kunden kaum noch einzelne Aktien empfehlen beziehungsweise hierzu nicht mehr beraten, werden insbesondere Aktienfonds empfohlen. In den Vordergrund gerückt werden Dachfonds. Diese Fonds, die selbst in Aktienfonds investieren, sollen durch geschickten Kauf und Verkauf von Fondsanteilen ein aktives Portfoliomanagement ermöglichen, ohne dass auf etwaige Veräußerungsgewinne auf Dachfondsebene Abgeltungsteuer anfällt.

Was in der Theorie gut klingt, hat aber den entscheidenden Nachteil, dass bei den Dachfonds neben den Ausgabeaufschlägen erhebliche Verwaltungsgebühren anfallen, die durchaus drei Prozent und mehr des gesamten Anlagebetrags ausmachen können – und zwar jährlich. Da bedarf es erheblicher Wertsteigerungen des Dachfonds, um noch gegenüber einer nur mit Abgeltungsteuer belasteten Anlage im Vorteil zu sein.

Wer also nicht nur Abgeltungsteuer, sondern auch möglichst viel Verwaltungsgebühren und Provisionen sparen möchte, sollte eher auf Aktien etablierter Unternehmen oder börsengehandelte, sich an Aktienindices ausrichtende Fonds (sogenannte ETF) zurückgreifen.

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