ANLEGER Frage : an Oliver Borgis, Leiter des Portfoliomanagements der Weberbank

Grundregeln für die Krise

an Oliver Borgis

Der Abschwung ist da. Prognosen zufolge wird die Wirtschaft in den wichtigsten Industriestaaten 2009 schrumpfen. Wie kommen Anleger am besten durch die Rezession?

Jede Rezession verläuft anders. Daher gibt es auch kein Patentrezept für das Investieren in der Konjunkturkrise. Aber ein paar Grundregeln für die manuelle Steuerung durch eine Rezessionsphase sind durchaus zu nennen. Keineswegs geht es dabei aber um die vermeintliche Krisenwährung Gold, denn in der Rezession zieht sich die Inflation zurück und die industrielle Nachfrage sinkt ebenfalls. Auch dem häufig zu beobachtenden Reflex, sich auf Termingelder zu verlegen, wird ein nur kurzes Glück beschieden sein. Infolge der begonnenen Zinssenkungen der Notenbank werden die Geldmarktsätze bald kaum mehr drei Prozent betragen. Sie sind nur für Anleger sinnvoll, die generell frei von jeglichem Kursrisiko investieren möchten und dafür eine langfristig niedrigere Rendite in Kauf nehmen.

Höhere Erträge wird es bei Anleihen geben. Diese haben den einmaligen Charme, dass sie den Nachteil sinkender Zinsen mit Kurszuwächsen kompensieren und damit Profiteur der Rezession sind. Das gilt zuvorderst für erstklassige Papiere wie Euro-Staatsanleihen und Pfandbriefe. Bei schwächeren Bonitäten schnellen im Rezessionsverlauf regelmäßig die Ausfallraten nach oben, hier ist eine breite Streuung von Emittentenrisiken gerade jetzt oberstes Gebot. Übrigens auch für Zertifikate und – was nur wenigen bewusst ist – indirekt für manche börsengehandelten Indexfonds (ETF). Denn diese Fonds bilden die jeweiligen Indizes häufig über sogenannte Swapgeschäfte nach – also Tauschgeschäfte mit anderen Finanzmarktteilnehmern. Dabei tragen sie ein erhebliches Risiko für den Konkursfall des Tauschpartners.

Aktien und Rohstoffe können durchaus mitten in einer Rezession steigen, sofern entsprechende Wirtschaftsindikatoren eine Konjunkturerholung bis zu sechs Monate vorab signalisieren. Allerdings zeichnet sich das bislang in keiner Weise ab. Derweil sollte deren Anteil niedrig gehalten werden und auf typischerweise konjunkturresistente Branchen wie Pharma, Telekom und Nahrungsmittel konzentriert sein. Wer sein Heil im Taktieren und der Schnäppchenjagd nach niedrig bewerteten Aktien sucht, sollte beim Kauf gleichzeitig eine Untergrenze, also einen Stop-loss-Kurs eingeben, um mögliche Verluste im Rahmen zu halten. Denn gerade jetzt sind die Märkte ein massenpsychologisches Phänomen und können länger irrational bleiben als man selber liquide.

– Haben Sie auch eine Frage?

 Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Geld@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Geld, 10876 Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben