ANLEGER Frage : Bankberatung nur mit Protokoll

Claus-Günther Richardt, Leiter des Bereichs Vermögensanlagen der Berliner Sparkasse, antwortet auf Leserfragen.

an Claus-Günther Richardt

Die Stiftung Warentest hat die Qualität der Finanzberatung bei Banken und Sparkassen heftig kritisiert. Was ändert sich für den Anleger durch das Beratungsprotokoll, das ab 1. Januar bei jedem Anlagegespräch geschrieben werden muss?





Das Beratungsprotokoll ist eine Konsequenz aus der Finanzkrise: Anleger sollen so vor Falschberatungen bei Wertpapieren geschützt werden. Mit dem Protokoll kann der Anleger im Streitfall seine Ansprüche besser durchsetzen, die aus fehlerhaften Beratungen resultieren. Ab dem 1. Januar 2010 werden daher alle wesentlichen Inhalte eines Anlagegesprächs schriftlich festgehalten.

Und was steht im Protokoll? Zunächst einmal der Anlass sowie die Dauer des Beratungsgesprächs. Zudem werden alle relevanten Informationen über den Kunden erfasst wie etwa zu seiner Vermögenssituation sowie zu den empfohlenen Produkten. Der Berater dokumentiert auch die vom Kunden geäußerten wesentlichen Anliegen und Ziele. Welche Anlage der Berater empfiehlt und aus welchem Grund, gehört ebenfalls ins Dokument.

Das Beratungsprotokoll dokumentiert Anlageberatungsgespräche zu Wertpapieren, Derivaten und Geldmarktinstrumenten, bei denen eine Empfehlung im Sinne von Kaufen, Halten oder Verkaufen ausgesprochen wird. Beauftragt ein Kunde seine Bank zum Kauf oder Verkauf von Aktien ohne eine Beratung, ist keine Dokumentation erforderlich. Für Beratungen zur sicheren Anlage auf Tagesgeldkonten oder auf Sparkonten entfällt die Aufzeichnungspflicht ebenfalls.

Grundsätzlich muss der Berater das Protokoll immer erstellen und unterzeichnen, bevor er einen Wertpapierauftrag entgegennimmt. Bei telefonischen Beratungen gilt der Grundsatz „Protokoll vor Abschluss“ gleichermaßen. Ermöglicht die Bank in Ausnahmefällen einen sofortigen Geschäftsabschluss, hat der Kunde ein einwöchiges Rücktrittsrecht. Davon kann er Gebrauch machen, falls das vom Berater im Nachgang zugesandte Protokoll nicht richtig sein sollte.

Meine Ratschläge für Anleger: Prüfen Sie das Protokoll sorgfältig und fragen Sie bei Unklarheiten immer nach. Wenn Sie die Bank zu einem Wertpapiergeschäft beauftragen, bestätigen Sie, dass die Inhalte des geführten Gesprächs mit den Inhalten des Protokolls übereinstimmen. Das Beratungsprotokoll macht somit auch Ihre Entscheidung als Anleger verbindlicher. Sollten Sie für Ihr Depot Vollmachten erteilt haben, berücksichtigen Sie Folgendes: Der Bevollmächtigte erhält mit dem Protokoll Einsicht in Ihre Vermögensverhältnisse, wenn er eine Beratung in Anspruch nimmt. Wenn Sie dies nicht wünschen, sollten Sie die entsprechenden Vollmachten widerrufen.

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