ANLEGER Frage : Freunde haften anders als Berater

Fragen an Malte Diesselhorst Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

an Malte Diesselhorst

Ich habe schlechte Erfahrungen mit Bankberatern gemacht und möchte einen Bekannten mit der Anlageberatung beauftragen. Was muss ich rechtlich beachten?

Wer sich von Freunden oder Verwandten bei Geldanlagen beraten lässt, denkt zunächst nicht an eventuelle rechtliche Folgen. Erst wenn später etwas schiefgeht, stellt sich die unangenehme Frage, wer die Konsequenzen für etwaige Vermögensverluste zu tragen hat.

Mit dieser Frage hatte sich der Bundesgerichtshof (BGH) kürzlich zu befassen. Das Karlsruher Gericht wies die Klage einer Frau zurück, die rund 74 000 Euro dem Bruder ihres Ex-Lebensgefährten anvertraut hatte und davon nach dem Einbruch der Börsen im Jahr 2000 nur noch 20 000 Euro zurückbekam. (Aktenzeichen: III ZR 75/06 vom 19. April 2007) Der Mann hatte eine Banklehre gemacht und bereits für seine Mutter an der Börse spekuliert. Gegen eine Gewinnbeteiligung von 30 Prozent setzte er das Geld der Klägerin ein. Nach dem Fehlschlag verlangte sie Schadenersatz und machte geltend, für eine ordnungsgemäße Beratung hätte der Bekannte sie zunächst über ihr Anlageziel und ihre Risikobereitschaft befragen und ihr womöglich vom Aktienkauf abraten müssen.

Die BGH-Richter kamen zu dem Ergebnis, dass unter Freunden und Verwandten nicht dieselben hohen Anforderungen an die Anlageberatung gelten, wie das im professionellen Bereich der Fall ist. Andererseits kommt nach Auffassung des Gerichts eine Haftung des beratenden Bekannten durchaus infrage, etwa wenn er gegen eindeutige Vorgaben des Anlegers verstößt oder ohne dessen Zustimmung unangemessene Risiken eingeht.

Anleger, die darüber nachdenken, sich im Freundes- oder Verwandtenkreis bei Geldanlagen beraten zu lassen, sollten deshalb wissen, dass sie einen deutlich geringeren rechtlichen Schutz genießen als bei der Beratung durch eine Bank. Andererseits muss auch der beratende Freund oder Verwandte bedenken, dass der Freundschaftsdienst Haftungsfolgen haben kann – insbesondere, wenn er für die Beratung eine Erfolgsbeteiligung bekommt. Und schließlich sollten beide daran denken, dass hier nicht nur Geld auf dem Spiel steht, sondern auch die persönliche Beziehung.

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