Anleger-Frage : Keine schnellen Gewinne erwarten

Heute an Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

an Klaus Schneider

Deutsche Aktien sind zuletzt rasant gestiegen. Wie groß ist die Gefahr, dass es zu neuen Übertreibungen wie 1999/2000 kommt – und worauf sollten Kleinanleger, die vom Aufschwung bisher kaum profitiert haben, jetzt achten?

Im Jahr 2000 war der Anstieg des Dax von wenigen Werten wie Deutsche Telekom, Mannesmann und Infineon getrieben, und diesen Werten wurden im Zuge des damaligen Überschwangs für Telekommunikations- und Technologiewerte Bewertungen mit dem 50- bis 60-fachen Jahresgewinn zugebilligt. Der gegenwärtige Anstieg des Dax ist allerdings von der großen Mehrheit der Indexmitglieder getrieben und auch durch realistischere Bewertungen mit in der Regel dem Zehn- bis 15-Fachen des Jahresgewinns untermauert. Zuletzt hat ein unvermindertes Gewinnwachstum die Kursentwicklung getrieben. Die große Frage ist allerdings, ob diese Entwicklung fortgeschrieben werden kann.

Da sind zunächst die derzeit stark steigenden Zinsen im Euroraum. Steigende Zinsen sind üblicherweise negativ für die Aktienkurse, da einerseits sich die Kreditaufnahme der Gesellschaften verteuert und somit den Gewinn schmälert, andererseits Alternativen zu Aktien – etwa festverzinsliche Wertpapiere – rentabler werden. Zudem ist nicht zwingend davon auszugehen, dass die Gewinndynamik bei den Unternehmen unverändert andauert. Ein Rückgang würde dementsprechend den Kursauftrieb beenden. Schließlich sind die Entwicklungen an den großen globalen Börsen mitentscheidend für die Entwicklung in Deutschland.

Allerdings sind starke Übertreibungen oder gravierende Einbrüche wie Anfang des neuen Jahrtausends kaum zu befürchten, denn seitdem haben sich die meisten Dax-Unternehmen stark reorganisiert und erheblich an Ertragskraft und Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Eher wahrscheinlich ist also ein zeitlich begrenzter überschaubarer Rückgang beziehungsweise eine Seitwärtsbewegung der Kurse.

Für den Kleinanleger heißt das, dass Neuengagements nicht von der Hoffnung auf schelle Kurszuwächse getrieben sein dürfen. Aber langfristig zahlt sich die Anlage eines Teils der Ersparnisse an der Börse aus, wie die Entwicklung der letzten Jahre wieder bestätigt hat.

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