ANLEGER Frage : Lohnen sich Vermögensbriefe?

Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin antwortet auf Leserfragen.

an Peter Lischke

Die Sparkasse hat mir nachrangige Vermögensbriefe angeboten, die eine höhere Verzinsung als die Sparbriefe mit einer festen Laufzeit haben. Was ist davon zu halten?




Zwischen den beiden Sparformen gibt es einen grundlegenden Unterschied. Während der Sparbrief als festverzinsliche Anlageform generell der Einlagensicherung unterliegt, handelt es sich bei dem Vermögensbrief um eine Anleihe. Die Anleihe stellt rechtlich einen Kredit dar, den der Erwerber des Wertpapiers dem Emittenten, also der Sparkasse, einräumt. Es handelt sich daher um ein Papier, dessen Sicherheit abhängig ist von der Solvenz des Unternehmens. Geht die Sparkasse pleite, könnte die Rückzahlung der angelegten Summe problematisch sein.

Bei der nachrangigen Anleihe kommt hinzu, dass hier generell eine Entschädigung der Gläubiger erst erfolgt, wenn alle anderen Gläubiger aus der Insolvenzmasse bedient worden sind. Insoweit sind nachrangige Vermögensbriefe wegen dieser ausdrücklichen Bedingungen üblicherweise besonders riskante Papiere. Indiz dafür ist ja auch die erhöhte Verzinsung.

Bei den Sparkassen – und bei den Volks- und Raiffeisenbanken, die auch Vermögensbriefe anbieten – ist aber die Insolvenz eines einzelnen Unternehmens wegen des umfassenden Sicherungssystems unwahrscheinlich. Bei den Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken gibt es einen Institutsschutz. Dieser soll verhindern, dass ein einzelnes Institut in die Insolvenz fällt.

Bereits im Vorfeld drohender Zahlungsschwierigkeiten erhält eine Volksbank Bürgschaften, Garantien und finanzielle Zuschüsse von der Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken. Die Sparkassen haben elf eigene regionale Stützungsfonds. Auch hier springt bei Schwierigkeiten der entsprechende Stützungsfonds ein, so dass eine Insolvenz ausgeschlossen werden kann. Darüber hinaus gibt es noch je eine Sicherungseinrichtung für die Landesbanken und Girozentralen sowie eine für die Landesbausparkassen. Im Krisenfall stünde das Gesamtvolumen aller Sicherungseinrichtungen zur Verfügung. Gleichwohl bleibt theoretisch ein gewisses Restrisiko. Allerdings müsste für diesen Fall das gesamte Finanzsystem der Sparkassen oder Genossenschaftsbanken zusammenbrechen.

Unterm Strich handelt es sich also um attraktive Anlagen, die im Vergleich zu nachrangigen Kapitalbriefen, wie sie von privaten Banken angeboten werden, durch die Institutssicherung geschützt sind. Bei den privaten Banken unterliegen diese Papiere nicht der Einlagensicherung. Anleger sollten dennoch vergleichen, ob der Zins bei dieser relativ langen Laufzeit attraktiv ist oder ob es nicht vergleichbare klassische Sparbriefe oder Festgeldanlagen gibt.

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