Anlegerfrage : an Klaus Martini, Leiter der globalen Anlagestrategie für Privatkunden der Deutschen Bank

Der Ölpreis ist in den vergangenen Wochen gesunken – entgegen den Erwartungen. Ist der Trend zur Verteuerung des Rohstoffs gebrochen? Auf welche Entwicklung müssen sich Anleger in den kommenden Monaten einstellen?

An Klaus Martini

Der Ölpreis schien im Januar tatsächlich nur eine Richtung zu kennen: nach unten. So fiel die Notierung für Öl der Sorte West Texas Intermediate Mitte des Monats auf den tiefsten Stand seit 19 Monaten. Auslöser für diesen erneuten Preisrückgang war das überraschend warme Wetter zum Jahreswechsel, das zu einer deutlich geringeren Nachfrage nach Energie – vor allem Gas und Heizöl – geführt hat. Inzwischen hat der Wintereinbruch zwar zu einem Preisanstieg geführt. Dennoch war der Nachfragerückgang in diesem Umfang nicht vorherzusehen und ging über die Produktionskürzungen hinaus, die von der Opec beschlossen worden waren. Wir gehen jedoch davon aus, dass die jüngsten Preisbewegungen eine Komponente des „Überschießens“ enthalten, die sich in den kommenden Wochen korrigieren und den Ölpreis wieder näher an die Marke von 60 US-Dollar je Barrel heranführen dürfte.

Unsere Erwartung stützt sich auf folgende Argumente: Der Preisrückgang ist wesentlich durch die warmen Witterungsbedingungen in den USA und Europa bedingt. Deshalb kann – wie sich aktuell zeigt – ein Kälteeinbruch jederzeit einen Stimmungsumschwung auslösen. Unabhängig von den derzeit volatilen Konjunkturerwartungen für die USA spricht die zunehmende Nachfrage aus den stark wachsenden Volkswirtschaften Asiens für eine anhaltend robuste Ölnachfrage. Zudem dürften Produktionskürzungen der Opec im Februar einem weiteren Preisrückgang entgegenwirken, und mögliche Schäden an Produktionsanlagen oder Pipelines könnten jederzeit Befürchtungen von Kapazitätsengpässen auslösen. Zu beachten ist ferner, dass die politische Situation in den wichtigsten Ölförderregionen sehr schwierig ist, weshalb der Ölpreis weiter eine spürbare Risikoprämie enthalten wird.

– Haben Sie auch eine Frage?

Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Geld@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Geld, 10876 Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar