Anlegerfrage : Bankkunden tragen Beweislast

Malte Diesselhorst, Landesvorsitzender der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, antwortet auf Leserfragen.

an Malte Diesselhorst

Mein Finanzberater von der Sparkasse riet mir vor Jahren, meine Thyssen-Krupp- Aktien zu verkaufen und BMW- und Porsche-Aktien zu kaufen. „Was soll denn schon bei BMW und Porsche passieren. Sie können sicher sein, dass Sie kein großes Risiko eingehen werden“, war seine Antwort auf meine Frage, welches Risiko ich eingehe. Während der Finanzkrise sank der Wert der Papiere von 60 000 auf 19 000 Euro, denn mir wurden riskante Zertifikate verkauft, wie ich später erfuhr. Ich hatte die Empfehlung am Telefon erhalten und mir keine Notizen gemacht. Einzig meine Frau kann sich an das Gespräch erinnern. Reicht das für eine Klage wegen Falschberatung?





Das Ergebnis der Beratung ist katastrophal, keine Frage. Dennoch muss sich der Anleger eine Reihe von Fragen stellen: Ist die Bank für den Schaden verantwortlich? Und kann man den Anspruch auch gerichtlich durchsetzen? Da steckt der Teufel im Detail. Welche Vorkenntnisse und Erfahrungen hatte der Anleger, etwa über Aktien und Zertifikate? Waren Anlageziele und Risikobereitschaft mit der Bank besprochen und dort schriftlich zutreffend festgehalten worden? Rief der Bankberater auf eigene Initiative an oder wünschte der Anleger telefonische Anlagetipps? Gibt es darüber Aufzeichnungen? Wie hat die Bank die Beratung dokumentiert?

Eine Fehlberatung könnte unter anderem darin liegen, dass der Anschein erweckt wurde, direkt in Aktien zu investieren, tatsächlich aber Zertifikate empfohlen wurden. Wenn in dem Beratungsgespräch von Zertifikaten die Rede war, hätte der Berater die Funktionsweise und die spezifischen Risiken dieser Produkte erklären müssen.

Nächste Hürde: Auch wenn, wie hier, aus Sicht des Anlegers ganz klar eine Fehlberatung vorliegt, muss sie in einem möglichen Prozess gegen die Bank bewiesen werden. Der Bankberater ist in einem solchen Prozess Zeuge, nicht Partei. Hat die Ehefrau das Gespräch tatsächlich mitgehört? Was könnte sie in einem Prozess dazu aussagen?

Wichtig auch die Frage, wann die Beratung stattfand, um nicht in die Falle der dreijährigen Verjährung zu laufen. Welche Gespräche gab es inzwischen mit dem Berater? Wurde über die Verluste und die Verantwortung dafür schon mit der Bank gesprochen?

Selbst wenn der Bankberater, wie hier, aus Sicht des Anlegers klar falsch beraten hat, hängen die Erfolgsaussichten einer Klage von vielen Einzelheiten ab. Genügend Ansatzpunkte für einen möglichen Schadenersatzanspruch bietet der Sachverhalt. Der Anleger sollte sich also von einem spezialisierten Rechtsanwalt beraten lassen.

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