Anleihen : Staatshilfe für alle

Im Akkord pumpen Staaten Milliarden in die Wirtschaft. Das Geld dafür besorgen sie sich von Anlegern, die sich mit mickrigen Zinsen zufrieden geben. Staatsanleihen sind Fluchtburg Nummer eins in der Krise.

Veronika Csizi
260504_0_149e4bff.jpg

Allein seit Sommer 2008 ließ die hohe Nachfrage bei sinkender Inflation und sinkenden Zinsen die Kurse zehnjähriger deutscher Staatsanleihen so stark steigen, dass die Renditen umgekehrt von 4,67 auf das Rekordtief von 2,91 Prozent einbrachen. Aktuell erhält fast genau drei Prozent, wer Finanzminister Steinbrück für zehn Jahre Geld leiht. In den USA sanken die Renditen der zehnjährigen Treasuries im Januar noch stärker.

Da sich Rendite und Kurs gegenläufig bewegen, sind die Kursgewinne gewaltig. Wer im Mai 2008 die neue Bundesanleihe mit einem Zinskupon von 4,25 Prozent gekauft hatte, darf sich über einen zusätzlichen Kursgewinn von zehn Prozent freuen. Doch es mehren sich warnende Stimmen. Sorgen bereiten den Anleihe- Experten vor allem die schwindelerregend hohen Summen, die die großen Industrienationen noch 2009 unter Anlegern platzieren wollen. Barclays Capital schätzt, dass die USA, Japan, Großbritannien und die Euro-Länder bis Dezember 3,6 Billionen Dollar am Kapitalmarkt abzapfen müssen. Die HSH Nordbank geht davon aus, dass in der Eurozone 2009 dreimal so viele Staatsanleihen auf den Markt kommen wie 2008. Und die USA versuchen allein in dieser Woche, 94 Milliarden Dollar an den Mann zu bringen. „Dieses hohe Volumen werden die Investoren nur mit Zugeständnissen bei Preis beziehungsweise Rendite aufnehmen“, ist sich Nordbank-Rentenexperte Cyrus de la Rubia sicher. Insgesamt könnten Staatsanleihen mittelfristig sogar herbe Kursverluste drohen. Vor allem bei 10- bis 30-jährigen Staatstiteln rechnet die HSH Nordbank mit schwächeren Notierungen.

Zum Jahresende, so die Prognose von de la Rubia, werden die Renditen in Deutschland wieder bei vier und in den USA bei fünf Prozent liegen. Der Rentenexperte empfiehlt: „Es macht Sinn, die aktuellen Kursgewinne mitzunehmen.“ Wer neu einsteigen möchte, solle noch ein paar Monate warten. Dann seien günstigere Konditionen mit höheren Zinskupons möglich. Allerdings: Ein Privatanleger, der die Kursschwankungen nicht zur zusätzlichen Wertsteigerung nutzt, sondern ein Papier bis zur Fälligkeit hält und sich mit dem Zinskupon begnügt, braucht einen Kursverfall nicht zu fürchten – vorausgesetzt er ist zum Emissionskurs eingestiegen. Die großen Industrienationen gelten als extrem verlässliche Schuldner, haben deshalb von den Rating-Agenturen die Bestnote „Triple-A“ erhalten. Am Ende der Laufzeit wird der Anleger daher mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit stets exakt den eingezahlten Betrag zurückerhalten.

Andere Marktbeobachter rechnen nicht mit einer baldigen Kurskorrektur bei Staatsanleihen. Zwar setze das hohe Angebot die Kurse unter Druck, räumt Ralph Berlowitz, Leiter des Anleihe-Neuemissions-Geschäfts bei der Deutschen Bank, ein. Andererseits spreche die wirtschaftliche Schwäche für weiter sinkende Zinsen. „Langlaufende Staatsanleihen haben also weiter Potenzial nach unten. Die Renditen könnten bis auf 2,5 Prozent fallen, bei weiter steigenden Kursen.“ Zudem erwartet der Rentenexperte, dass die Nachfrage nach sicheren Häfen stützend wirkt. „Ich würde deutsche Staatsanleihen jetzt noch nicht verkaufen“, rät er.

In den USA hingegen mehren sich die Sorgen. Für Kopfzerbrechen sorgt vor allem, dass die Rating-Agentur Moody’s neuerdings öffentlich über eine Abstufung der Schuldner USA und Großbritannien nachdenkt. Der Grund dafür ist vor allem die rapide steigende Kreditaufnahme: Zwei Billionen Dollar neue Schulden wollen die USA aufnehmen, nach 892 Millionen im Vorjahr. „Eine Abstufung wäre eine Katastrophe für die Märkte“, sagt Deutsche-Bank-Experte Berlowitz. Die USA müssten den Investoren dann deutlich höhere Zinsen bieten, die Kurse könnten zusammenfallen.

In diesem Zusammenhang ist auch der China-Besuch der neuen US-Außenministerin Clinton zu sehen, denn Peking ist mit 682 Milliarden Dollar der größte Anleger in US-Staatsanleihen. In einer der sichersten Anlageklassen, den Staatsanleihen, könnte die Blase platzen, befürchtet auch die Allianz-Tochter Pimco, der größte Anleihen-Investor der Welt: „Nichts wie raus aus US-Staatsanleihen. Sie sind sehr, sehr teuer.“

Angesichts der Vielzahl an Laufzeiten, Zinskupons und Emittenten fällt die Auswahl der richtigen Anleihe nicht leicht. Abhilfe kann hier ein Fonds oder, oft deutlich günstiger, ein Indexpapier (Exchange Traded Fund, ETF) schaffen. Rentenfonds haben alle großen Anbieter im Programm. Zu den erfolgreichsten im Boom gehören der Warburg Euro Renten Trend, der DWS Invest Euro Bonds, der Allianz Pimco Int. Rentenfonds oder der WestLB M.Compass-Global Bond, die auf Jahressicht bis zu 20 Prozent im Plus liegen. Ohne Ausgabeaufschlag in einen Anleihe-Korb investieren lässt sich am einfachsten über einen ETF. In deutsche Staatsanleihen mit fünf- bis zehnjähriger Laufzeit investiert etwa der I-Shares eb.rexx Government Germany (WKN 628949), in Euroland-Staatsanleihen der Lyxor Euro MTS 7-10y (WKN LYX0BK).

0 Kommentare

Neuester Kommentar