Banken : Geldgeschäfte im Ausland: Über Gebühr

Wer sich vor der Abreise ins Ausland nicht informiert, zahlt bei Geldgeschäften jenseits der Grenze immer höhere Aufschläge.

David C. Lerch

Düsseldorf - Das Hotel war prima, das Essen war spitze, die Sonne brannte jeden Tag. Kurz gesagt: Der Urlaub war super. Blickt man nach der Rückkehr auf die Kontoauszüge, verwandelt sich die Erholung jedoch oftmals in Ärger. Nicht wenige Banken verlangen hohe Gebühren, wenn im Ausland beim Bezahlen und Geldabheben die EC- oder Kreditkarte genutzt wird.

Dabei ist zunächst zu beachten: Ausland ist nicht gleich Ausland. Die inzwischen 15 Länder, die außer Deutschland den Euro als offizielle Währung eingeführt haben (siehe Kasten), unterscheiden sich deutlich vom Rest der Welt. Euroland gilt als Inland. Das bedeutet, ob man in einem Restaurant in Potsdam oder Portugal eine Rechnung begleicht, spielt geldtechnisch keine Rolle. So steht es in einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2002. Demnach darf bargeldloses Bezahlen oder Geldabheben am Automaten in anderen Ländern der Eurozone nur so viel kosten wie zu Hause. Doch das sagt noch nichts über die tatsächliche Höhe der Gebühren.

Zahlreiche deutsche Banken nehmen inzwischen stattliche Aufschläge, wenn ihre Kunden im Ausland bei anderen Kreditinstituten Geld abheben. Nach Angaben des Europäischen Verbraucherzentrums (EVZ) in Kiel berechnen deutsche Institute deutlich mehr als die Banken der anderen Euroländer – bis zu zehn Euro pro Vorgang. Tendenz steigend: Seit 2006 haben einzelne Banken die Gebühren im Ausland um 50 Prozent erhöht, sagt Bernd Krieger vom EVZ. Den Bruch mit dem EU-Recht vermeiden die Geldinstitute, weil Kunden auch hierzulande mehr zahlen, wenn sie sich am Automaten einer fremden Bank versorgen. Im Schnitt stiegen diese Gebühren in den vergangenen drei Jahren um 17 Prozent. Einer der Spitzenreiter ist die Berliner Sparkasse mit 67 Prozent Aufschlag.

Umso wichtiger ist es zu wissen, an welchen Automaten im Ausland man gebührenfrei abheben kann und wie viel die eigene Bank andernfalls verlangt. Da gibt es große Unterschiede. So können etwa Kunden der Deutschen Bank das französische Institut BNP Paribas oder die britische Barclays Bank nutzen; für Kunden der Postbank kann sich der Gang zur jeweils nationalen Post lohnen. Um das zu klären, raten Verbraucherschützer, vor einer Reise oder längeren Auslandsaufenthalten die Hausbank aufzusuchen oder deren Preisverzeichnis zu prüfen. Darin müssen die Kosten für sämtliche Transaktionen ausgewiesen sein. „Das Preisverzeichnis ist bei den meisten Banken im Internet abrufbar oder sonst in einer Filiale zu erfragen“, sagt Peter Lischke, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Berlin. Um bei regelmäßigen Reisen in eine Region zwischen den Banken zu wählen, empfiehlt Lischke den Bundesverband der deutschen Banken und die Stiftung Warentest, die stets zur Urlaubssaison die Angebote vergleichen. Einheitlich abgeraten wird davor, mit der Kreditkarte am Automaten abzuheben. Die Gebühren fallen fast immer höher aus als bei EC-Karten.

Wer seine Euro-Rechnung bargeldlos bezahlt, kann zwischen EC- und Kreditkarte wählen. Gebühren muss er nicht befürchten. Anders ist das außerhalb der Eurozone, weil Banken und Kreditkartenanbieter oft ganz unterschiedliche Gebühren nehmen. Eine Pin-Bezahlung mit der EC-Karten kostet dort häufig 1,5 Prozent des Kaufpreises, jedoch mindestens ein und höchstens fünf Euro. Der Einsatz der Kreditkarte kostet oft grundsätzlich ein Prozent des Betrages. Daher gilt der Grundsatz: Je höher die Rechnung, desto eher ist die EC-Karte zu empfehlen. Auch deswegen sollte man vor einer Reise die Limits der Bankkarte erfragen.

Auch bei Überweisungen ist die Eurozone inzwischen eng verbunden. Seit 2008 gibt es ein einheitliches Zahlungssystem, über das Gutschriften innerhalb von drei Banktagen erfolgen. Dafür benötigt man die internationale Bankleitzahl BIC und die Kontonummer IBAN. Beides kann man bei seiner Bank erfragen. Bis 50 000 Euro fallen im Euroraum keine Gebühren an. Wer mehr Geld oder in andere Länder überweisen will, sollte sich informieren. Verbraucherschützern zufolge gibt es auch hier zwischen den Banken große Unterschiede. David C. Lerch

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