Banken : Hilgert zum neuen WestLB-Chef berufen

Der Bankmanager Heinz Hilgert wird neuer Vorstandsvorsitzender der WestLB. Damit übernimmt ein echter Allroundbanker das Zepter beim angeschlagenen Bankunternehmen.

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Heinz Hilgert wird Chef der WestLB. -Foto: dpa

DüsseldorfDie WestLB hat mitten in ihrer bislang schwersten Krise einen neuen Vorstandsvorsitzenden gefunden. Der frühere stellvertretende Chef der Frankfurter DZ-Bank, Heinz Hilgert, wird vom 1. Mai an das Ruder bei der drittgrößten deutschen Landesbank übernehmen. Am Dienstag wurde der 54-Jährige vom Aufsichtsrat zum Nachfolger von Alexander Stuhlmann berufen, der die Spitzenposition bei der WestLB im Sommer 2007 für einen begrenzten Zeitraum von einem Jahr angetreten hatte und den Posten planmäßig niederlegen wird. Hilgert hat mit seinen Vorstellungen zur Zukunft der WestLB überzeugt, erklärte Aufsichtsratschef Michael Breuer.

Der künftige WestLB-Chef war bis Anfang Oktober 2007 stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Frankfurter DZ Bank. Der Banker wurde 1953 im westfälischen Lemgo geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Duisburg und startete seine Karriere 1979 bei der Chase Manhattan Bank. Später war er bei den Privatbanken Trinkaus & Burkhardt und Sal. Oppenheim tätig. 1996 wechselte Hilgert, der als Allroundbanker gilt, in den genossenschaftlichen Finanzverbund. Hilgert ist ein Mann der Gestaltung, betonte Breuer.

Suche nach Partnerbank bisher erfolglos

Auf den Bankmanager wartet in Düsseldorf ein hartes Stück Arbeit, um die Bank wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen. Im Januar hatte der Vorstand einen Verlust von etwa einer Milliarde Euro und zusätzlich Abschreibungen in gleicher Größenordnung angekündigt. Durch die internationale Finanzkrise und Fehlspekulationen war die WestLB 2007 in die Verlustzone gerutscht. Bei der Suche nach einer Partnerbank blieben die Eigentümer bislang erfolglos. Pläne eines Zusammengehens der WestLB mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) scheiterten ebenso wie Fusionsbestrebungen mit der Landesbank Hessen- Thüringen (Helaba).

Von ihren Eigentümern erhielt die WestLB eine Risikoabschirmung von bis zu fünf Milliarden Euro. Um die WestLB von Risiken im Wertpapiergeschäft zu entlasten, werden Papiere in einem Volumen von etwa 23 Milliarden Euro in einer Zweckgesellschaft außerhalb des Instituts gebündelt. Entstehen durch diese Wertpapiere Verluste, springen die Eigentümer entsprechend ihrer WestLB-Anteile mit bis zu zwei Milliarden Euro ein. Weitergehende Verluste von bis zu drei Milliarden Euro werden vom Land Nordrhein-Westfalen getragen, das in dem Fall aber auch WestLB-Aktien anderer Eigentümer erhält.

Wie sieht das künftige Geschäftsmodell aus?

Ungelöst ist neben der Partnersuche auch das künftige Geschäftsmodell der WestLB. Die Bank soll die Zusammenarbeit mit den Sparkassen und das Mittelstandsgeschäft ausbauen. Die WestLB wollte nach früheren Angaben eine Übernahme des IKB-Mittelstandsgeschäfts prüfen. Auch gibt es Bestrebungen, das Privatkundengeschäft für die Bank zu öffnen, wogegen sich die Sparkassen aber strikt wenden. Bislang ist die WestLB in diesem Bereich nur im vermögenden Kundensegment (Weberbank) tätig.

Größter Einzelaktionär der WestLB ist das Land Nordrhein-Westfalen mit direkt und indirekt rund 38 Prozent. Die Sparkassenverbände halten zusammen gut 50 Prozent. Der Rest ist in Besitz der kommunalen Landschaftsverbände in NRW. Neben den WestLB-Eigentümern soll auch die Belegschaft einen Betrag zur Rettung der Bank leisten: Von den bisher konzernweit 5900 Arbeitsplätzen sollen bis zu 1500 gestrichen werden. (smz/dpa)

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