Banken : Vorwürfe gegen Ex-Chefs der SachsenLB

Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft stellt in einem Gutachten fest: Der Bankvorstand soll Aufseher nicht informiert haben - obwohl es angesichts der Risiken angebracht gewesen wäre.

Lars Rischke

Dresden - Die Beinahe-Pleite der SachsenLB ist einem Gutachten zufolge auf Fehleinschätzungen und Versäumnisse an der Spitze der Bank zurückzuführen. Wesentliche Risiken aus dem außerbilanziellen Engagement der Banktochter SachsenLB Europe in Irland seien in den Risikomanagementsystemen nicht berücksichtigt worden, heißt es in dem am Dienstag in Dresden veröffentlichten Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Auch seien Risiken vom Vorstand nicht gesehen oder in ihrer Brisanz unterschätzt worden.

Die Prüfer stellten auch Unzulänglichkeiten in den quartalsweisen Risikoberichten und in den Jahresabschlüssen fest. So enthielt etwa der Abschluss 2004 keinen Hinweis auf die Risiken in Höhe von drei Milliarden Euro, die bei der Zweckgesellschaft Ormond Quay schlummerten.

Die Landesregierung will das Gutachten nun umgehend der Staatsanwaltschaft übergeben. Unabhängig davon erwägt das Land Schadenersatzklagen gegen mögliche Urheber der Bankenkrise. Finanzminister Stanislaw Tillich (CDU) sieht sich durch das Gutachten darin bestätigt, dass die Aufsichtsgremien nicht ausreichend über Risiken unterrichtet worden seien. Die politische Ebene treffe damit keine Schuld. Dagegen machte der SPD-Landtagsabgeordnete Karl Nolle erneut Regierungschef Georg Milbradt (CDU) für das Bankendesaster verantwortlich. Die Landesbank Sachsen war wegen riskanter Geschäfte in den Strudel der US-Hypothekenkrise geraten und 2007 an die Landesbank Baden-Württemberg verkauft worden. Sachsen muss zur Risikoabsicherung eine Landesbürgschaft von rund 2,7 Milliarden Euro tragen. Lars Rischke

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben