Banken : Weberbank verliert ihren Chef

Harald Christ geht nach nur neun Monaten. Nun wird über einen möglichen Zwangsverkauf der WestLB-Tochter spekuliert.

Stefan Kaiser

Berlin - Die Düsseldorfer West LB und ihre Berliner Tochter Weberbank kommen nicht zur Ruhe. Nach nur neun Monaten verlässt der als künftiger Weberbankchef und möglicher WestLB-Vorstand geholte Manager Harald Christ den Konzern. Zudem wird darüber spekuliert, dass die WestLB ihre Berliner Tochter auf Druck der EU-Kommission verkaufen muss.

Die beiden Banken teilten am Freitag mit, Christ gehe zum 30. Juni „auf eigenen Wunsch, um sich neuen Herausforderungen zu widmen“. Die Trennung erfolge „im besten freundlichen Einvernehmen“. Was der Bankmanager vorhat, blieb am Freitag zunächst unklar. In Finanzkreisen wird davon ausgegangen, dass er auf einen Spitzenposten in der deutschen Finanzbranche wechseln wird. Christ selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der erst 36-jährige Christ war im vergangenen Oktober zur Weberbank gekommen. Es war eine der letzten Personalien, die der ehemalige WestLB-Chef Thomas Fischer eingefädelt hatte. Nachdem Fischer in einer Affäre um Fehlspekulationen der Bank im vergangenen Sommer zurücktreten musste, tauschte die WestLB auch in der zweiten Reihe Fischers Weggefährten aus, darunter den Chef der ebenfalls in Berlin ansässigen Konzerntochter Readybank, Andreas Kramer. Christ verlässt den Konzern nun zwar aus freien Stücken. Wie der Tagesspiegel aus Kreisen der WestLB erfuhr, gehe der Manager aber unter anderem deshalb, weil ihm der Weg nach oben von den neuen Chefs der Düsseldorfer Bank versperrt worden sei. Der Vorstandsposten bei der West LB, den ihm Ex-Chef Fischer versprochen habe, sei für Christ unter dem neuen Bankchef Heinz Hilgert nicht mehr erreichbar.

Eine wichtige Rolle könnte auch die unsichere Zukunft der Weberbank gespielt haben. In Kreisen der WestLB wird befürchtet, dass die EU-Kommission den Konzern zwingen könnte, die Berliner Tochter zu verkaufen. „Das Thema wird hier diskutiert“, sagt ein WestLB-Insider. Damit träfe die Weberbank innerhalb weniger Jahre zum zweiten Mal das gleiche Schicksal. 2005 war sie von der damaligen Bankgesellschaft Berlin (heute Landesbank Berlin) an die WestLB verkauft worden – ebenfalls auf Druck der EU-Kommission.

Die Hintergründe ähneln einander frappierend: Beide Male ging es um staatliche Beihilfen für die Landesbanken. Wie 2001 die Bankgesellschaft, musste die WestLB in diesem Jahr mit Milliarden von ihren Eigentümern gestützt werden. Die EU-Kommission hat die Hilfen des Landes Nordrhein-Westfalen zwar bereits grundsätzlich genehmigt. Allerdings muss die Bank bis August einen Umstrukturierungsplan vorlegen und könnte anschließend auch Auflagen erteilen (siehe Kasten). Insider vermuten, dass die Kommission denVerkauf von Beteiligungen anordnen könnte, also auch den Verkauf der Weberbank. Ein Sprecher der WestLB wies dies auf Anfrage als „vollkommen haltlose Spekulation“ zurück. Es gebe keine Begründung dafür.

Bei der Weberbank soll der Abgang von Christ zunächst nichts ändern. Der Topbanker war zwar als neuer Vorstandschef geholt worden, hatte bisher aber nur den Posten eines Generalbevollmächtigten inne, weil die Finanzaufsicht Bafin seine mangelnde Erfahrung im Kreditgeschäft moniert hatte. Der Weberbank-Vorstand bleibt also mit Michael Graf Strasoldo und Klaus Siegers voll besetzt. Für Christs Posten als Privatkundenchef der WestLB stehe noch kein Nachfolger fest, hieß es.

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