Bankenfusionen : Deutsche Bank greift nach Postbank

Nicht einmal zwei Wochen nach der Einigung über den Verkauf der Dresdner Bank naht der nächste Milliardendeal in der deutschen Finanzbranche: Ein Einstieg der Deutschen Bank bei der Post-Tochter Postbank steht offenbar kurz bevor.

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Postbank. Bald in den Händen der Deutschen Bank?Foto: dpa

Frankfurt/Bonn"Die Deutsche Bank verhandelt mit der Post", verlautete aus den Finanzkreisen. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Parteien vor Freitag einigen." Es wird erwartet, dass dann bei einer Sitzung des Post-Aufsichtsrates eine Entscheidung über den seit Monaten diskutieren Verkauf des Instituts fallen wird.

Ob die Deutsche Bank ein Paket von knapp 30 Prozent an der Bonner Postbank erhalten wird, wie zuletzt spekuliert wurde, ist den Kreisen zufolge noch nicht ausgemacht. Die beteiligten Unternehmen wollten sich zu diesen Informationen nicht äußern. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte am Morgen bei der "Handelsblatt"-Tagung "Banken im Umbruch" in Frankfurt das Interesse seines Instituts bekräftigt: "Zum Thema Postbank haben wir immer gesagt, dass die Postbank für uns ein Institut ist, was uns in vieler strategischer Hinsicht stärken könnte - sowohl im Privatkundenmarkt als auch als Distributionsnetz. Daran hat sich nichts geändert." Politische Preise will der Dax-Konzern aber auch im Fall der Postbank mit ihren 14,5 Millionen Kunden nicht zahlen: Die Deutsche Bank gehe "weiter mit hoher Disziplin vor".

Auch bei den Landesbanken verstummt der Ruf nach größeren Einheiten als Folge der seit Sommer 2007 tobenden Finanzmarktkrise nicht. Die Einschätzungen, wie es an den Märkten weitergehen wird, gehen indes auseinander: Während der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, ein Andauern der Krise sieht, zeigte sich Ackermann überzeugt, dass ihr Ende immer greifbarer wird.

Ackermann: "Wir brauchen Konsolidierung"

Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" ("WAZ") zitierte am Mittwoch Post-Aufsichtsratskreise zur Postbank: "Es ist davon auszugehen, dass sie nicht mehr bei der Post bleibt." Die Postbank sei "nicht notwendiger Bestandteil der Post". Die besten Chancen zum Kauf soll dem Bericht zufolge die Deutsche Bank haben. Der Kaufpreis solle deutlich unter zehn Milliarden Euro liegen. Postbank-Chef Wolfgang Klein sagte seinen Auftritt bei der Frankfurter Bankentagung für Mittwoch ab. Das habe "rein terminliche Gründe" sagte dazu ein Sprecher des Konzerns.

Ackermann sagte, die deutsche Bankenbranche müsse sich weiter verändern: "Wir brauchen Konsolidierung." Die Ende August vereinbarte Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank wertete er als Stärkung für den Finanzplatz Deutschland: "Wir begrüßen sehr den Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank." Die Commerzbank übernimmt die angeschlagene Dresdner Bank für insgesamt 9,8 Milliarden Euro in zwei Schritten vom Versicherer Allianz.

Sparkassenpräsident Heinrich Haasis erneuerte seine Forderung nach größeren Landesbanken. "Eine Konsolidierung würde eine Verbesserung der Geschäftsmodelle ermöglichen und damit auch Anreize zum Engagement in hoch volatilen Geschäften verringern", sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Eine Verbindung der Landesbanken von Baden-Württemberg (LBBW) und Bayern (BayernLB) hielte er für "eine zukunftsträchtige Verbindung". Bei der angeschlagenen WestLB (Nordrhein-Westfalen) seien die Sparkassen gesprächsbereit über "betriebswirtschaftlich sinnvolle Lösungen".

Deutsche Bank sieht sich als Gewinner der Finanzkrise

LBBW-Chef Siegfried Jaschinski sagte, ein Einstieg von Finanzinvestoren bei der BayernLB würde eine Fusion des Instituts mit der LBBW erschweren, weil dann "noch ein Dritter am Tisch säße". Fusionsdruck wegen der Finanzkrise sehe er nicht: "Wir brauchen Geschäftsmodelle, die krisenfest sind."

Aus Sicht Ackermanns hat sich die breite Aufstellung der Deutschen Bank gerade in der Krise bewährt. Trotz Belastungen von insgesamt gut sieben Milliarden Euro sieht sich Deutschlands größte Bank als Gewinner der Krise. Das Ende der Turbulenzen naht nach Ackermanns Einschätzung: "Wir sehen eine Stabilisierung, wir sehen den Beginn des Endes, das bestätigt sich immer mehr." Noch seien die Märkte aber "nach wie vor außerordentlich nervös". EZB-Präsident Trichet sagte vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments in Brüssel, die Krise sei zu einem "kontinuierlichen Prozess" geworden: "Das ist ein Vorgang, der weitergeht und weiter anhält. Wir müssen wachsam bleiben."

Nach Ansicht Ackermann ist wichtig für eine weitere Erholung, dass die Finanzkrise in den nächsten Monaten keine größere Bank mehr in die Knie zwingt. Mit Blick auf die schwer angeschlagene US-Investmentbank Lehman Brothers sagte Ackermann: "Ein Kollaps einer Bank dieser Größenordnung würde eine weitere Welle von Verwerfungen nach sich ziehen. Aber davon gehe ich nicht aus." (imo/dpa)

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