Bankenkrise : KfW fürchtet rote Zahlen

KfW-Bankchef Ulrich Schröder zu den Auswirkungen der Überweisungspanne an Lehman Brothers.

KfW Bankengruppe
Die KfW-Bankengruppe hat ihr gutes Image verspielt. -Foto: dpa

DüsseldorfDüsseldorf - Nach der fehlerhaften Überweisung von 350 Millionen Euro an die insolvente Investmentbank Lehman Brothers rechnet die KfW-Bankengruppe nicht mehr damit, in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben zu können. „Ich befürchte, dass wir das nicht schaffen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Ulrich Schröder in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. Über die mögliche Höhe der Verluste wollte Schröder keine Angaben machen. Noch stehe nicht fest, wie viel die Bank tatsächlich bei der Transaktion verloren habe.

Schröder, der erst Anfang September seinen Posten bei der Staatsbank angetreten hatte, äußerte sich auch zu dem Verlauf der schweren Panne, die der Bank massive öffentliche Kritik beschert hat. Es habe sich um ein Währungstauschgeschäft gehandelt, das für den 15. September in den elektronischen Systemen vermerkt gewesen sei. Dieser Eintrag sei am vorletzten Freitag bei einer Sitzung mehrerer Abteilungen zur Lehman-Krise nicht gesehen worden. Angesichts der Datenlage zu Lehman hätte die Situation über das Wochenende verfolgt werden und im Zweifelsfall eingegriffen werden müssen. „Das ist nicht geschehen“, räumte Schröder ein.

Die nächste Sitzung sei am Montagmorgen um 9.30 Uhr angesetzt gewesen. Die Zahlung an Lehman sei aber bereits um 8.37 Uhr erfolgt. Schröder habe davon um neun Uhr erfahren und daraufhin umgehend die Staatssekretäre im Finanz- und Wirtschaftsministerium angerufen und eine Innenrevision damit beauftragt, den Vorgang zu untersuchen. Schröder selbst sei nach elf Tagen in der neuen Position nicht mit allen Einzelprozessen im Haus so vertraut gewesen, dass er frühzeitig hätte eingreifen können, sagte er.

Die KfW sei nun gut beraten, ihre gesamte Geschäftspolitik konservativer zu gestalten, erklärte der frühere Chef der Düsseldorfer NRW-Bank weiter. Man werde das gesamte Risikomanagement kurzfristig durch einen externen Berater untersuchen lassen. Schröder will dem Verwaltungsrat in der kommenden Sitzung erste Vorschläge zur Verbesserung machen. Die Situation beschleunige sein Vorhaben eines „strukturellen und personellen Neuanfangs der KfW“, betonte der Manager.

In der vergangenen Woche waren zunächst zwei Vorstände und ein Bereichsleiter als Konsequenz auf die schwere Panne beurlaubt worden.

In Zukunft wolle sich die Bank wieder auf den gesetzlichen Förderauftrag konzentrieren, also unter anderem auf die Finanzierung des Mittelstandes, der Bereiche Klimaschutz, Bauen und Wohnen, Bildung oder Entwicklungszusammenarbeit. „Die KfW als Förderbank hat ein erprobtes und zukunftssicheres Geschäftsmodell“, betonte Schröder. HB/me

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