Bankenkrise : Rezession beschert Commerzbank Verluste

Weil sie die Risikovorsorge stark erhöht, schreibt die teilverstaatlichte Bank im zweiten Quartal 746 Millionen Euro Verlust. Analysten hatten schlechtere Zahlen erwartet.

Die Commerzbank spürt die Rezession: Die zweitgrößte deutsche Bank musste im vergangenen Quartal zwar weniger auf toxische Wertpapiere abschreiben. Dafür war sie jedoch gezwungen, ihre Risikovorsorge für faule Kredite deutlich zu erhöhen. Das brachte ihr erneut hohe Verluste ein.

Von April bis Juni erzielte das Geldhaus eigenen Angaben zufolge einen Nettoverlust von 746 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte das inzwischen teilverstaatlichte Institut noch einen Gewinn von 200 Millionen Euro verbucht. Operativ fiel das Minus mit 201 Millionen Euro ebenfalls höher aus als im Vorjahr. Immerhin scheint sich eine Verbesserung abzuzeichnen: Im ersten Quartal betrug das Minus 591 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem noch höheren Verlust gerechnet.

"2009 bleibt ein herausforderndes Jahr, aber wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing bei der Vorlage der Quartalsergebnisse. In den Kernsegmenten Privatkunden und Mittelstandsbank erwirtschaftete das Institut erneut einen Gewinn.

Im Investmentbanking, das ihr im vergangenen Jahr Milliardenverluste eingebrockt hatte, verbuchte die Commerzbank erneut einen operativen Verlust von 231 Millionen Euro. Ein Trostpflaster: Im ersten Quartal hatte das Minus noch knapp eine Milliarde Euro betragen. Grund für die Verbesserung im zweiten Quartal waren geringere Abschreibungen auf das Portfolio an forderungsbesicherten Wertpapieren (ABS).

Ein Ende der Belastungen aus den toxischen Papieren sieht Blessing aber nicht: Ende Juni hatte die Bank noch ABS-Papiere von 38 Milliarden Euro in den Büchern, 26 Milliarden Euro davon stufte sie als "kritisch" ein. Der Abbau der Portfolios komme langsamer voran als erwartet, hieß es im Zwischenbericht. Es sei deshalb mit weiteren Belastungen zu rechnen. Die Rezession in vielen Ländern Europas führe dazu, dass sich nun auch mit europäischen Baufinanzierungen besicherte Papiere schlechter entwickelten. Im ersten Halbjahr musste die Bank Belastungen auf das gesamte Portfolio von knapp 1,8 Milliarden Euro verkraften.

Im Kreditgeschäft erwartet die Commerzbank 2009 höhere Ausfälle, vor allem im Privatkunden- und Mittelstandsgeschäft sowie in der Immobilienfinanzierung. Die Risikovorsorge für faule Kredite verdoppelte sich im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 993 Millionen Euro. 2009 rechnet Blessing mit einer Risikovorsorge auf dem Niveau des Vorjahres von 3,5 Milliarden Euro. Die Ergebnisse des Vorjahres sind jedoch künstlich berechnet und nur bedingt vergleichbar, da der Commerzbank damals die Dresdner Bank noch nicht gehörte. Die Übernahme fand erst Anfang dieses Jahres statt.

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, sp

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