Bankenrettungsplan : Milliardengewinn – und trotzdem Ärger

Die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken klagen über eine zunehmende Wettbewerbsverzerrung durch den staatlichen Bankenrettungsplan. Der Präsident des Bundesverbands BVR, Uwe Fröhlich, wirft anderen Instituten vor, staatliche Hilfen und Garantien für Dumpingangebote zu nutzen.

Stefan Kaiser

Berlin - „Einige Marktteilnehmer haben aus der Vergangenheit offenbar nicht gelernt“, sagte Fröhlich bei der Bilanzpressekonferenz des Verbandes in Berlin. Sie gingen mit Kampfkonditionen an den Markt, die sich betriebswirtschaftlich nicht rechneten. Solche „überzogenen Renditeversprechen“ könnten die Banken nur einlösen, wenn sie selbst riskante Investments eingingen.

Ähnliche Kritik hatte vor einigen Wochen bereits der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, geübt. Sie zielt auf Institute wie die Commerzbank, deren Tochter Dresdner Bank oder die Volkswagen-Bank, die Hilfen aus dem Bankenrettungsfonds Soffin in Anspruch nehmen und gleichzeitig Sparer mit hohen Zinsangeboten locken. In der Folge zögen die Kunden ihre Einlagen von gesunden Banken ab, fürchtet Fröhlich. Das Geld stehe dann nicht mehr für das Kreditgeschäft mit dem Mittelstand zur Verfügung.

Die Volks- und Raiffeisenbanken sehen sich selbst in der Krise gut aufgestellt. Keines der insgesamt 1197 Institute habe bisher Hilfen des Staates oder der verbandseigenen Sicherungseinrichtung in Anspruch nehmen müssen, sagte Fröhlich. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008 haben die Institute zusammengenommen einen Gewinn von 1,9 Milliarden Euro vor Steuern erwirtschaftet. Nach Steuern waren es 1,3 Milliarden Euro und damit rund 25 Prozent weniger als im Vorjahr. Natürlich habe die Finanzkrise auch bei den Genossenschaftsbanken Spuren hinterlassen, sagte Fröhlich. So habe man 2,2 Milliarden Euro Abschreibungen auf Wertpapiere vornehmen müssen. Einen großen Teil der Gelder werde man jedoch bei Fälligkeit der Papiere wieder hereinbekommen.

Die Volks- und Raiffeisenbanken haben im Privatkundengeschäft nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 15 Prozent und liegen damit auf Platz zwei hinter den Sparkassen und vor allen privaten Banken. Bei Mittelstandskrediten kommen die Genossenschaftsbanken sogar auf einen Anteil von gut 26 Prozent. Diesen wollen sie im laufenden Jahr weiter ausbauen. Derzeit sei die Kreditnachfrage der Unternehmen allerdings eher verhalten, sagte Fröhlich. „Wir haben mehr Kreditvergabepotenzial.“ Im vergangenen Jahr war das Volumen der ausgegebenen Kredite um 1,7 Prozent auf 377 Milliarden Euro gestiegen.

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