Betrug : Kleiner Händler verzockt Milliarden seiner Bank

Bei der französischen Bank Société Générale sitzt der Schock tief: Ein unscheinbarer kleiner Händler hat für Milliardenverluste gesorgt und die Bank in eine Krise gestürzt. Jetzt muss eine Kapitalerhöhung das durch den Aktien-Zocker entstandene Loch auffangen.

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Ratlos: Daniel Bouton, Chef der Société Générale, ist bestürzt. -Foto: dpa

ParisDer Börsenhändler bescherte der französischen Großbank Société Générale einen Rekordverlust von 4,9 Milliarden Euro. Der 31-Jährige Jérôme K. habe über das vergangene Jahr seine eigenen Geschäfte "innerhalb der Bank" gemacht, teilte Bankenchef Daniel Bouton mit. Er sei dabei so schlau vorgegangen, dass er unbemerkt durch sämtliche Kontrollen rutschte.

Aus dem Geldinstitut verlautete, der Händler habe seit 2000 für die Société Générale gearbeitet. Bis vor zwei Jahren sei er im so genannten Back Office tätig gewesen, seit 2005 im Handelsraum. Er und "vier oder fünf" Vorgesetzte und Manager wurden entlassen.

Rund hundert Anleger reichten Klage gegen die Société Générale wegen Betruges an. Bouton bot seinen Rücktritt an, dies wurde aber vom Verwaltungsrat abgelehnt. Die französische Zentralbank kündigte Ermittlungen an. Frankreichs Regierungschef François Fillon sprach am Rande des Wirtschaftsforums in Davos von einer "schwer wiegenden Angelegenheit".

Bankchef entschuldigt sich bei anlegern

Trotz der Belastungen werde der Gewinn der Bank für das vergangene Jahr noch im positiven Bereich liegen, erklärte das Unternehmen. Es sei mit 600 bis 800 Millionen Euro zu rechnen. Im Jahr davor hatte die Bank noch 5,2 Milliarden Euro verdient. Um den Verlust auszugleichen, sah sich die Société Générale gezwungen, ihre Aktionäre um 5,5 Milliarden Euro frisches Kapital zu bitten. "Die Bank bleibt aber in der Gewinnzone und wird eine Dividende ausschütten", sagte Konzernchef Daniel Bouton. An der Börse wurde der Handel mit Société-Générale-Aktien ausgesetzt.

Die Milliardenverluste treffen die Bank zusätzlich zu einem Schaden von 2,05 Milliarden Euro wegen der Krise auf dem US-Hypothekenmarkt. Der Bankchef erklärte auf einer Pressekonferenz in Paris, die Société Générale bereite eine Anzeige gegen den Händler vor. Er entschuldige sich bei allen Anlegern.

Der Rekordbetrug erinnert an den von Nick Leeson verursachten Finanzskandal vor zwölf Jahren, der die alteingesessene Barings Bank in den Ruin trieb. Der damals 28-jährige Brite verursachte mit illegalen Spekulationen an der Börse in Singapur Verluste von umgerechnet weit mehr als einer Milliarde Euro. (ut/AFP/dpa)

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