Börse : Aktien im Ausverkauf

Steil bergab ging es am Freitag auf den europäischen Aktienmärkten. Auslöser waren laut Händlern vor allem die kräftigen Verluste an der japanischen Börse, wo Rezessionssorgen und der starke Yen für Panik gesorgt hatten.

Der Dax brach bis kurz vor Handelsschluss um 7,4 Prozent auf 4183 Punkte ein. Zwischenzeitlich war der Leitindex sogar um mehr als elf Prozent auf 4014 Zähler gefallen – der tiefste Stand seit November 2004. Der M-Dax mittlerer Werte sank unter 5000 Punkte und verlor 5,5 Prozent auf 4976 Punkte. Der Technologie-Index Tec-Dax büßte 6,1 Prozent auf 474 Zähler ein.

„Es gibt zurzeit fast nur noch Verkäufer am Markt“, sagte ein Händler. „Erstmals seit langer, langer Zeit haben wir direkt auf die negativen Vorgaben aus Tokio reagiert und damit auch gleich die US-Börsen runtergedrückt.“ In Japan hatte die Warnung von Sony vor einem drastischen Gewinneinbruch und vor allem der stark gestiegene Kurs des Yen für massive Verluste von knapp zehn Prozent im Leitindex Nikkei 225 gesorgt.

Die zugespitzte Finanzkrise trieb die japanische Währung auf mehrjährige Rekordstände zum Euro und zum US-Dollar. Am Markt wird laut Händlern nun zunehmend über eine Intervention der Notenbanken spekuliert.

Am deutschen Aktienmarkt blieben die Umsätze insgesamt relativ gering. Fast ausnahmslos erlitten die deutschen Aktien aber kräftige Verluste. Größter Verlierer waren die Aktien von Continental, die 13,1 Prozent verloren. Der Autozulieferer leidet besonders hart unter der Krise der Automobilindustrie. Analysten rechnen damit, dass der Gewinn im dritten Quartal um 75 Prozent eingebrochen ist.

Auch Aktien der Allianz, der Deutschen Bank und der Postbank verloren zweistellig. Die Anleger fürchten, dass die Finanzkrise noch nicht ausgestanden ist.

Hart traf es erneut die Autoaktien. Daimler, die am Vortag zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Gewinnwarnung herausgegeben hatten, sackten um 8,6 Prozent auf 21,78 Euro ab. BMW fielen um acht Prozent auf 17,75 Euro. VW, die bisher dem Abwärtstrend der Branche getrotzt hatten, brachen um 10,7 Prozent auf 204,58 Euro ein. „Hier zieht Resignation ein“, fasste ein Börsianer die Stimmung zusammen. „Wir sind in die zweite Phase des finalen Ausverkaufs eingetaucht.“

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 3,65 (Vortag: 3,76) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,69 Prozent auf 119,56 Punkte. Der Bund Future gewann 0,50 Prozent auf 117,46 Punkte. Der Kurs des Euro ging weiter auf steile Talfahrt: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2596 (Donnerstag: 1,2810) Dollar fest. Tsp

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