Börse : Aktien sind nicht gefragt

Die Deutschen haben das Vertrauen in Aktien noch nicht wieder gewonnen. Die Zahl der direkten Aktienbesitzer in Deutschland ist weiter gesunken. Nur wenn Besitzer von Aktienfonds einbezogen werden, gab es im ersten Halbjahr einen leichten Zuwachs, wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) in seiner Halbjahresbilanz am Mittwoch mitteilte.

Frankfurt am MainDAI-Chef Rüdiger von Rosen bedauerte zwar, dass es in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern immer noch viel zu wenige Aktionäre gäbe. Erfreulich sei aber, dass wieder mehr jüngere Aktiensparer gezählt würden. „Dies verdeutlicht die Bereitschaft zu einer frühzeitigen Altersvorsorge“, sagte Rosen. Er forderte erneut eine Reform der Abgeltungssteuer. Die dadurch bedingte Benachteiligung der Aktienanlage gegenüber anderen Anlageformen müsse schnellstmöglich beendet werden.

Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts ist die Zahl der Anleger in Deutschland, die direkt oder über Fonds indirekt in Aktien investieren, im ersten Halbjahr wieder leicht um 20 000 auf 8,8 Millionen gestiegen. Dies entspricht einem Anteil von 13,6 Prozent an der gesamten Bevölkerung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kurzstudie des Deutschen Aktieninstituts auf Basis einer Infratest-Befragung von gut 26 000 Anlegern. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Aktionäre in Folge der Finanzkrise dramatisch um eine Million geschrumpft. Die Anzahl der direkten Aktionäre ist allerdings auch im ersten Halbjahr 2009 weiter zurückgegangen – um 190 000 oder fünf Prozent auf nur noch 3,4 Millionen. Damit gibt es in Deutschland so wenige Aktienbesitzer wie zuletzt vor 20 Jahren. Gegenüber dem Höchststand im Jahr 2001 bedeutet die aktuelle Zahl der Aktienanleger einen Rückgang um rund vier Millionen Anleger oder 31,4 Prozent.

Gleichwohl sieht DAI-Chef Rosen bei den Aktionärszahlen nach dem dramatischen Einbruch im vergangenen Jahr insgesamt eine Stabilisierung. Vor allem die jüngeren Menschen erkennen seiner Ansicht nach mehr und mehr die Bedeutung der Aktienanlage für die Altersvorsorge. So hat die Zahl der Aktienbesitzer in der Gruppe der unter 40-jährigen Anleger um 117 000 oder 5,2 Prozent zugenommen. Diesen Trend müsse auch die Politik aufgreifen, forderte Rosen. Die Interessen der Aktionäre müssten wieder stärker berücksichtigt werden.

Rosen hat in erster Linie die politischen Rahmenbedingungen im Auge und dabei vor allem die Abgeltungssteuer. Sie ist seit dem ersten Januar mit einem Satz von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer auf Dividenden fällig und ist auch auf Kursgewinne zu entrichten, wenn die Aktien wieder verkauft werden. Eine Spekulationsfrist, nach der die Aktien steuerfrei veräußert werden können, gibt es nicht mehr. Nach den Worten des DAI-Chefs unterliegen Erträge aus Aktienanlagen einschließlich der Körperschaftssteuer aktuell einem Steuersatz von mehr als 48 Prozent. Bei Zinserträgen seien es nur 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. „Das ist sozial- und vermögenspolitisch kontraproduktiv“, sagte Rosen.

Er forderte deshalb von der künftigen Bundesregierung, die Belastungen durch die Abgeltungssteuer wieder zurückzufahren. Zugleich müssten die Sparerfreibeträge wieder erhöht, die Spekulationsfrist wieder eingeführt und die Verrechnung von Gewinnen mit Verlusten aus Aktiengeschäften wieder verbessert werden. All dies, so sagte der DAI-Chef, würde es auch den Unternehmen erleichtern, über die Börse wieder Eigenkapital aufzunehmen. „Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise ist ein solcher Schritt dringend nötig“, sagte der DAI-Chef. ro

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