Börse : Autos als Verlierer und Gewinner

Während Daimler und BMW unter dem hohen Ölpreis leiden, legt die VW-Aktie weiter zu.

Veronika Czisi

Einen schlechteren Juni gab es an den Börsen lange nicht mehr. Notierte der Dax zur Schlussglocke im Mai noch bei fast 7100 Zählern, so waren es Montagabend nur noch 6418 Punkte - also fast zehn Prozent weniger. Der Optimismus der Anleger, der den deutschen Leitindex zwischen März und Mitte Mai um mehr als 17 Prozent nach oben katapultiert hatte, ist wie weggeblasen. Die meisten Experten befürchten, dass es weiter abwärtsgeht: "Das Jahrestief steht diese Woche zur Disposition", heißt es etwa bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Weit ist das Tief nicht mehr entfernt: Im März war der Dax bis auf rund 6170 Punkte abgerutscht.

Die Gesamtlage scheint derzeit höchst problematisch: Angesichts erster Bremsspuren beim Wirtschaftswachstum und in den Unternehmensbilanzen, gepaart mit einer hohen Inflation und immer weiter steigenden Ölpreisen, finden die wenigsten Anleger Mut zum Einstieg. Allein im Juni hat sich das Barrel Öl um rund 15 Dollar verteuert (von 127,87 auf über 143 Dollar). Mit Volkswagen stemmte sich trotzdem ein Autowert gegen den massiven Abwärtstrend und blieb im Juni mit einem Mini-Plus die beste Aktie im Dax - und dies, obwohl 14 von 23 Analysten das Papier auf "verkaufen" eingestuft haben. Zu verdanken ist die glimpfliche Kursentwicklung wohl Porsche, die ja bis zum Jahresende ihren Anteil an VW auf "50 plus x Prozent" aufstocken wollen. Aber auch die Geschäftszahlen des größten deutschen Autobauers waren zuletzt gut: In den ersten fünf Monaten des Jahres fuhr VW, vor allem durch satte Verkäufe in Osteuropa, einen neuen Absatzrekord ein.

Die Daimler-Aktie hingegen musste herbe Kursverluste hinnehmen (minus 40 Prozent seit Januar, minus 20 Prozent im Juni), vor allem wegen der kursierenden Gerüchte, Chrysler stecke erheblich in der Klemme und müsse womöglich Gläubigerschutz beantragen. Selbst ein Dementi half Daimler, die immer noch knapp 20 Prozent an Chrysler halten, nicht. Aktuell ist das Stuttgarter Unternehmen nur etwa halb so hoch bewertet wie Volkswagen.

Die Deutsche Bank notiert so tief wie vor fünf Jahren

Auch MAN, die Deutsche Börse, die Deutsche Bank, Continental und BMW büßten im Juni mehr als ein Fünftel ihres Kurses ein. Die Deutsche Bank litt dabei vor allem am neuerlichen Aufflackern der Finanzkrise. Jüngst kursierte sogar das Gerücht, die Deutsche Bank habe außerordentlichen Kapitalbedarf. Selbst auf Fünfjahressicht notiert die Aktie der Deutschen Bank knapp im Minus, während der Kurs von MAN sich in etwa verfünffacht, jener der Deutschen Börse sich verdreifacht hat.

Einige Werte hielten sich im Juni relativ gut und konnten ihr Minus begrenzen. Dazu gehörten Medizinaktien wie Merck und Fresenius Medical Care sowie ohnehin schon länger gebeutelte Titel wie die Deutsche Telekom oder Infineon, aber auch Siemens.

Die Fondstochter der Deutschen Bank, DWS, hält den derzeitigen Kursrutsch beim Dax ohnehin für übertrieben und meint, dass das gegenwärtige Niveau aus mittelfristiger Sicht eine günstige Einstiegsgelegenheit darstellt. Auch die Helaba ist trotz kurzfristiger Risiken prinzipiell optimistisch und verweist darauf, dass deutsche Standardwerte aktuell sehr günstig bewertet seien. Charttechnisch orientierte Prognosen gehen dagegen davon aus, dass der stabile Abwärtstrend zumindest bis auf das bisherige Jahrestief oder sogar darunter führen könnte. In den USA ist das bisherige Jahrestief bereits gefallen, der Dow Jones hat sich mit etwa achtprozentigem Minus im Juni jedoch etwas besser gehalten als der Dax.

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