Börse : Erster Krim-Schock vorbei? - Warum der Dax vorbörslich im Plus liegt

Obwohl sich die Lage in der Ukraine weiter zuspitzt, scheint an der Börse der erste Schock am Dienstag vorbei zu sein. Der Dax zieht vorbörslich wieder deutlich an. Woran liegt das?

Andreas Oswald
Bulle und Bär in Frankfurt.
Bulle und Bär in Frankfurt.Foto: imago

Trotz der unvermindert angespannten Lage in der Ukraine wegen der Krim-Krise scheint an den Börsen der erste Schock vorüber zu sein. Der deutscher Leitindex Dax liegt am Dienstag vorbörslich im Plus. Ist das eine unvermeidbare Korrektur vor einer weiteren Abwärtsbewegung?

Warum liegt der Dax vorbörslich im Plus, obwohl die Krim-Krise unvermindert anhält?

Am Montag hatte die Eskalation in der Ukraine die Märkte fest im Griff. Der deutsche Leitindex Dax hatte ganze 3,4 Prozent schwächer bei 9.358 Punkten geschlossen. Am Dienstag scheint sich zumindest vorbörslich die Stimmung zu drehen. Mit 9.430 Punkten zieht der Dax wieder an. Ist der erste Schock und die Angst vor einem offenen Krieg überwunden?

Es kann an der Stimmung liegen, oder an einer zwangsläufigen technischen Korrektur

Dass der Dax vorbörslich im Plus liegt, kann daran liegen, dass der erste Schock vorbei ist. Es kann aber auch sein, dass es sich um eine zwangsläufige vorübergehende technische Korrektur handelt, die es immer nach schweren Ausschlägen gibt. Solche Korrekturen sind zwangsläufig, weil alle Anleger, die in einer ersten starken Reaktion sicherheitshalber verkaufen wollen, dies im Laufe eines Tages getan haben. Irgendwann fehlen dann die nächsten Verkäufer, die die Kurse weiter nach unten ziehen können. Es kommt zu einer sogenannten Korrektur in die entgegengesetzte Richtung. Nicht klar ist, ob die Kurse nach einer Verschnaufpause die Richtung nach unten wieder aufnehmen, oder ob der übergeordnete längerfristige Trend wieder die Oberhand gewinnt.

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Krim-Krise wurde zunächst unterschätzt

Börsianer sind gespalten: „Die Investoren hatten das Risiko einer Eskalation der Lage in der Ukraine unterschätzt“, sagte Aktienhändler David Thebault vom Brokerhaus Global Equities noch am Montag. Allerdings gehe der Markt nicht davon aus, dass es wegen der Spannungen auf der Krim zu einem Krieg zwischen Russland und der Ukraine kommen werde, so der Aktien-Experte Kyoya Okazawa von der Großbank BNP Paribas.

In New York waren die Kurse am Vortag jedenfalls ebenfalls auf Talfahrt gegangen. Der Dow-Jones-Index ging mit einem Minus von knapp einem Prozent auf 16.167 Punkte aus dem Handel. Das Börsenbarometer der Standardwerte bewegte sich im Tagesverlauf zwischen 16.321 und 16.071 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gab 0,7 Prozent auf 1845 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel ebenfalls 0,7 Prozent auf 4277 Zähler.

Schließlich sorgte die Krise in der Ukraine auch für verhaltene Börsen in Fernost. Man könne derzeit keine großen Sprünge erwarten, so ein Analyst. Allerdings hat der japanische Aktienmarkt am Dienstag anfängliche Verluste wettgemacht und ins Plus gedreht. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index kletterte um 0,3 Prozent auf 14.698 Punkte. Börsianer sagten, langfristig orientierte Investoren aus dem Ausland kauften sich ein und stützten damit die Kurse.

Milliardenverlust bei RWE

Abseits der Spannungen im Osten Europas blicken die Börsianer in Deutschland heute auf den geschundenen Energiekonzern RWE. Gerade hat das Unternehmen Berichte der vergangenen Woche bestätigt, nach denen im abgelaufenen Geschäftsjahr Verluste von 2,8 Milliarden Euro angefallen sind. Vor scharfen Kurseinbrüchen war die Aktie zuletzt verschont geblieben. Doch könnte sich nach der offiziellen Bekanntgabe am Morgen etwas tun.

Dagegen könnte die Aktie des Hamburger Konsumgüterkonzerns Beiersdorf am Dienstag profitieren: Auch hier werden am Vormittag die Geschäftszahlen für 2013 bekanntgegeben. Zuletzt hatten Analysten ihre Einschätzung des Unternehmens nach oben korrigiert. Der Konsumgüterkonzern habe in den vergangenen Jahren sehr hart an einem frischeren Unternehmens-Teint gearbeitet. Im Fokus steht zudem der deutsche Maschinenbau: Der Verband VDMA will bis 10 Uhr die jüngsten Auftragsentwicklungen kommentieren. (mit Reuters und dpa)

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