Börse : Euro und Öl drücken die Aktienkurse

Die Angst vor einer Rezession in den USA führt zu Verlusten an den Börsen in Fernost und Europa. Der Dax ist seit einer Woche auf Talfahrt.

Daniel Rhee-Piening
Boerse
Kein Grund zur Freude an der Börse -Foto: dpa

Berlin/Frankfurt am MainTrübe Stimmung an den Aktienmärkten. Nach schlechten Vorgaben aus den USA und vor allem aus Asien erwischte es zum Wochenschluss auch den Deutschen Aktienindex (Dax). Das Deutsche Kursbarometer rutschte am Freitag zwischenzeitlich bis auf 6476 Punkte ab und rettete sich bis kurz vor Schluss des elektronischen Xetrahandels auf 6544 Zähler. Dies war dennoch ein Minus von 0,71 Prozent.

Die deutschen Aktienmärkte leiden zunehmend unter dem erneut stärkeren Euro, der die Exporte erschwert, und der schwachen Konjunkturentwicklung in den USA. Zudem steigen die Inflationserwartungen in den USA und der Preis für Nordseeöl liegt aktuell bei mehr als 100 Dollar je Barrel (159 Liter).

Bereits kurz vor zehn Uhr rutschte das deutsche Kursbarometer bis auf 6483 Punkte ab. Zwar konnte sich der Index zunächst wieder über die Linie von 6500 Zählern retten, mit der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten am frühen Nachmittag ging es dann aber wieder um 1,7 Prozent auf 6476 Punkte bergab. Die USA haben als Konsequenz der Wirtschaftsflaute den zweiten Monat in Folge deutlich Jobs eingebüßt. Das teilte das US-Arbeitsministerium am Freitag mit. Im Februar verlor die größte Volkswirtschaft der Welt 63 000 Arbeitsplätze, nach 22 000 im Vormonat. US-Medien zufolge war der Verlust im vergangenen Monat der stärkste seit fünf Jahren. Ökonomen hatten mit einem Plus von etwa 25 000 Jobs gerechnet. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist zentral für die Konsumausgaben, die wiederum gut zwei Drittel der Wirtschaftsleistung in den Vereinigten Staaten ausmachen.

Als „grottenschlecht“ bezeichnete Thomas Stengl, Händler bei der Postbank, die US-Daten. „Die Finanzmarktkrise ist definitiv in der Wirtschaft angekommen“, sagte HSBC-Trinkaus-Analyst Rainer Sartoris. Und sein Kollege Gerhard Schwarz, Chefstratege im Bereich weltweite Aktien bei der Unicredit ergänzte: „In den USA haben wir längst keine reine Hypothekenkrise mehr, sondern eine handfeste Kreditkrise, die sich auch auf die klassischen Konsumentenkredite auswirkt“, zieht Schwarz Bilanz.

Die US-Notenbank Fed versuchte zunächst vergeblich gegenzusteuern. Sie entschied sich zu einer Erhöhung ihrer für März geplanten Liquiditätsspritzen. Wie die Federal Reserve am Freitag mitteilte, seien nun im März zwei Auktionen über jeweils 50 Milliarden Dollar geplant, jeweils 20 Milliarden Dollar mehr als eigentlich beabsichtigt. Sollte es für das Bankensystem nötig werden, könne die Summe auch aufgestockt werden. Insgesamt seien noch befristete Geldmarktgeschäfte über weitere 100 Milliarden Dollar geplant. Wie die Fed zudem mitteilte, steht sie wegen der zunehmenden Sorgen um neue Liquiditätsengpässe in engem Kontakt mit anderen Zentralbanken. Die Notenbanken der USA, der Euro-Zone und anderer Industrienationen hatten erst vor wenigen Monaten in einer gemeinsamen Aktion Milliarden in die Märkte gepumpt.

EURO AUF REKORDHOCH

Der Euro sprang kurz auf ein Rekordhoch von 1,5459 Dollar, bröckelte dann aber leicht auf 1,5430 Dollar ab. Der starke Kurs trifft die deutschen Exporteure empfindlich. „Der Höhepunkt der Exportdynamik liegt mittlerweile hinter uns“, schreiben Analysten der Unicredit in ihrem Marktbericht, „das nachlassende weltweite Wachstumstempo und der starke Euro gehen nicht spurlos an der deutschen Industrie vorbei“.

Der Ölpreis in New York hat am Freitag fast die Marke von 106 Dollar pro Barrel (159 Liter) erreicht und mit 105,97 Dollar einen Rekordstand markiert. Auch der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) erreichte einen Rekordstand. Nach Angaben des Opec-Sekretariats vom Freitag kostete ein Barrel aus den Opec-Fördergebieten am Donnerstag durchschnittlich 98,46 Dollar. Damit wurde der zu Wochenbeginn aufgestellte Spitzenwert von 97,26 Dollar deutlich übertroffen.

„Der schwache Dollar gibt dem Ölmarkt weiter Impulse“, begründete Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank die feste Tendenz der Ölpreise. Es gebe Anzeichen, dass ein Preisniveau bei 100 Dollar keine kurzzeitige Preisspitze bleibe, sondern von den Marktteilnehmern auch langfristig als tragbar angesehen würde, sagte Weinberg.

Auch die Aktienmärkte in Asien waren angesichts der schlechten Nachrichten aus den USA auf Talfahrt gegangen. Der Nikkei-Index in Japan verlor bis zum Handelsschluss 3,3 Prozent.

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