Börse : Hypernervös und volatil

Nach anfänglichen Kursgewinnen schloss der Dax am Donnerstag nahezu unverändert. Am Vormittag hatten die Liquiditätsspritzen der Notenbanken die Stimmung der Börsianer noch deutlich aufgehellt.

Kurz vor Handelsbeginn in den USA hatte die Fed 50 Milliarden Dollar in den Markt gepumpt. Kurzfristig verschaffte die Notenbankaktion den Banken Handlungsspielraum, sagte Volkswirt Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus & Burkhardt, die grundlegenden Zweifel über die Stabilität des Finanzsystems ließen sich so aber nicht lösen.

Der Dax stieg bis zum Mittag um mehr als ein Prozent auf 5967 Zähler. Zwischenzeitliche Kursverluste an der Wall Street zogen ihn am frühen Abend aber wieder nach unten. „Alles ist hypernervös und extrem volatil“, sagte ein Händler. Bei Handelsschluss lag der Leitindex bei nur noch 5863 Punkten (plus 0,04 Prozent). M-Dax und Tec-Dax gaben nach.

Im Dax legte die Allianz-Aktie einen Kursrutsch hin, die in der Spitze mehr als acht Prozent an Wert verlor. Händlern zufolge waren Gerüchte in den Handelsräumen kursiert, wonach der Dresdner-Bank-Verkauf an die Commerzbank noch scheitern könnte. Sowohl der Münchener Versicherungskonzern als auch die Frankfurter Bank wiesen dies zurück. Die Aktie stabilisierte sich bei 91 Euro und einem Minus von rund 3,5 Prozent.

An den US-Börsen haben am späten Donnerstag unterdessen Hoffnungen auf weitere staatliche Unterstützung zur Bewältigung der Finanzkrise zu kräftigen Kurssprüngen geführt. Dow Jones und S&P 500 machten den größten Tagesgewinn seit Oktober 2002. US-Finanzminister Paulson erwägt Kreisen zufolge die Schaffung einer Behörde zur Abwicklung fauler Kredite. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schoss 3,9 Prozent nach oben auf 11 019 Punkte.

Der Ölpreis stieg ungeachtet dessen am Donnerstag wieder über die 100-Dollar-Marke. Preistreibend wirken derzeit neben der Finanzkrise außerdem Unruhen in Nigeria, dem größten Ölproduzenten in Afrika. Seit fünf Tagen verliert die Ölindustrie dort Förderungskapazitäten durch Angriffe von Rebellen auf Produktionsstätten.

Am Rentenmarkt verharrte die durchschnittliche Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 4,07 Prozent. Der Rentenindex kletterte um 0,36 Prozent auf 117,46 Punkte. Der Bund Future verlor 0,46 Prozent. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs des Euro auf 1,4502 (Mittwoch: 1,4224) Dollar fest. Auch Devisenhändler sprachen wegen der Finanzkrise von einem „extrem nervösen“ Tag. Am späten Nachmittag rutschte die Gemeinschaftswährung wieder auf 1,4390 Dollar. fsp

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