Börse : Immobilienblase auch in China

Auch im Land der Mitte wird mit dem Immobilienboom spekuliert. Doch die Krise der US-Hypotheken wirkt sich vermutlich nicht aus.

Harald Maass
Shanghai
Shanghai. Mehr Wolkenkratzer als Manhatten. -Foto:dpa

Peking - Vor ein paar Jahren begrüßten auf Chinas Flughäfen riesige Digitalanzeigen die Besucher. In leuchtenden Ziffern verkündeten die lokalen Banken auf den Tafeln, wie viele Millionen Yuan sie bereits an Immobilienkrediten an die Bürger der Stadt vergeben hatten. Einen Teil dieser Gelder werden die Banken vermutlich nie wiedersehen. Ähnlich wie in den USA haben Chinas Banken in den vergangenen Jahren riesige Beträge als Immobilienkredite vergeben. Yi Xianrong, Finanzexperte an der Akademie der Sozialwissenschaften, schätzt die Summe dieser Kredite auf umgerechnet 293 Milliarden Euro.

Auch wenn es in China bisher keine Anzeichen für eine Hypothekenkrise wie in den USA gibt, sehen Experten wie Yi dennoch Risiken. In China werde die Bonität der Kreditnehmer noch weniger geprüft als in den USA, sagte Yi der Zeitung „South China Morning Post“. „Die Qualität der Immobilienkredite ist viel schlechter als die der Subprime-Hypotheken in den Vereinigten Staaten.“

Mit dem Wirtschaftsaufschwung boomt in China auch der Immobilienmarkt. 800 Millionen Quadratmeter Wohn- und Büroflächen kommen jedes Jahr neu dazu. In Schanghai gibt es heute mehr Wolkenkratzer als in Manhattan. Schneller als die Hochhäuser wachsen die Preise. In Schanghai kosten Wohnungen in besserer Lage mittlerweile 3000 Euro pro Quadratmeter – für viele ist das mehr als ein Jahresverdienst.

Das Kaufinteresse ist trotzdem enorm. An Wochenenden stehen die Menschen oft in langen Schlagen vor den Verkaufsbüros der Wohnanlagen, Hochhäuser sind innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Mit dem steigenden Wohlstand verlangen die Chinesen nach größerem und komfortablerem Wohnraum. Ein Grund für die große Nachfrage ist aber auch, dass Chinesen kaum andere Anlagemöglichkeiten haben. Chinas Regierung erlaubt ihren Bürgern, das Geld nur im Inland anzulegen. Wer sein Geld nicht auf dem Sparbuch liegen lassen will, muss deshalb Aktien oder eine Wohnung kaufen.

Chao fang – wörtlich: kurz gebratene Wohnungen – nennen die Chinesen den spekulativen Handel mit Immobilien, der mittlerweile Volkssport ist. Die Wohnungen werden auf Pump gekauft, oft verlangen die Banken nur ein Eigenkapital von zehn Prozent, und dann nach einigen Monaten mit Gewinn wieder abgestoßen. Solange die Preise jedes Jahr steigen, ist das ein profitables Geschäft. Doch niemand weiß, wie lange der Immobilienboom noch anhält.

Die Gefahr, dass die Hypothekenkrise in den USA auch China in Mitleidenschaft ziehen könnte, halten Experten für gering. Zwei der vier Großbanken in China haben bisher erklärt, dass sie an den spekulativen Subprime-Hypotheken in den USA beteiligt sind, allerdings soll es sich nach Aussage der Geldhäuser nur um geringe Beträge handeln. „Chinesische Banken sind traditionell sehr vorsichtig im Umgang mit Risiken im Ausland“, sagte Jing Ulrich von der Investmentbank JP Morgan in Hongkong.

Viele Spekulanten in China bauen zudem darauf, dass Pekings KP-Regierung einen jähen Absturz der Märkte vermeiden und notfalls die Banken stützen würde. China besitzt mit umgerechnet rund einer Billion Euro die größten Devisenreserven der Erde.

Dennoch ist die US-Hypothekenkrise für China nicht ungefährlich. Sollte sich in den USA die Wirtschaft abkühlen, könnte dies auch zu einem Rückgang der Nachfrage nach ausländischen Gütern und Serviceleistungen führen. Chinas Wachstumsmotor sind die Exporte – und die gehen zu einem Drittel in die Vereinigten Staaten.

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