Börse : Keine Entwarnung

Die Finanzkrise sorgt weiterhin für Nervosität am deutschen Aktienmarkt. Selbst die Rettung des US-Versicherungskonzerns AIG hellte die Stimmung am Mittwoch nicht lange auf.

Händlern zufolge warteten die Marktteilnehmer auf Nachrichten aus der Finanzbranche – seien es Meldungen zu einer weiteren Pleite oder einer neuen Rettungsaktion. „Es gibt wohl kaum jemanden, der glaubt, dass wir schon über den Berg sind“, sagte ein Börsianer. Unzählige Gerüchte um neue Opfer der Finanzkrise machten die Runde, und entsprechend unruhig verlief das Geschäft an den europäischen Aktienmärkten.

Unerwartet schlecht ausgefallene Konjunkturdaten aus den USA übten zusätzlich Druck aus. Ebenso der wieder steigende Ölpreis. Nach einem Rückgang von rund zehn Dollar in zwei Tagen kletterten die Notierungen am Mittwoch wieder. Ein Fass (159 Liter) Rohöl kostete im elektronischen Handel der New Yorker Börse mehr als 94 Dollar. Nach der staatlichen Rettung von AIG griffen Investoren wieder zu Rohstoffen, hieß es.

Zum Handelsschluss lag der Dax 1,8 Prozent im Minus bei 5860 Punkten, nachdem er sich zuvor schon bis auf 6035 Zähler aufgeschwungen hatte. „Wir bewegen uns weiter auf des Messers Schneide“, sagte Kapitalmarktanalyst Mirko Pillep von der Helaba. „Die Probleme sind ja wegen eines 85-Milliarden-Dollar-Kredits an AIG nicht kleiner geworden. Und der Dominoeffekt ist noch lange nicht beendet. Die Turbulenzen werden weitergehen.“ Für heftige Schwankungen sorgten Spekulationen um die Zukunft von HBOS. Der im Zuge der Finanzkrise angeschlagene britische Baufinanzierer führt eigenen Angaben zufolge Gespräche über einen Zusammenschluss mit Lloyds TSB.

Größter Verlierer im Dax war die Aktie des Reisekonzerns Tui mit einem Minus von 7,8 Prozent. Nach der fast abgeschlossenen Buchprüfung bei der Tui-Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd scheint sich die Reederei Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur als Favorit für eine Übernahme des Hamburger Wettbewerbers herauszukristallisieren. Mit Abstand größter Gewinner waren die Aktien von Volkswagen, die zeitweise um mehr als neun Prozent stiegen und mit sechs Prozent im Plus schlossen. Der Grund: der zügige Einstieg des Sportwagenbauers Porsche.

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 4,07 (Dienstag: 4,01) Prozent. Der Rentenindex sank um 0,33 Prozent auf 117,04 Punkte. Der Bund Future stieg um 0,17 Prozent auf 115,10 Zähler. Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4224 (1,4267) Dollar fest. Der Dollar kostete 0,7030 (0,7009) Euro.Tsp

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