Börse : Leitzinssenkung verpufft

Der Effekt der überraschenden Zinssenkungen von sechs Notenbanken ist am Mittwoch innerhalb von zwei Stunden wieder verpufft. Der deutsche Leitindex Dax, der am Vormittag zeitweise um 8,6 Prozent eingebrochen war, robbte sich am frühen Nachmittag zwar bis an die Vortagesmarke von 5326 Punkten heran, sackte dann aber wieder deutlich ab und notierte zum Börsenschluss mit minus 5,9 Prozent bei 5013,62 Punkten. Das war der tiefste Stand seit November 2005. Auch die Nebenwerte im M-Dax (minus 4,8 Prozent) und der Tec-Dax (minus 7,03 Prozent) verloren an Boden.

An den anderen europäischen Aktienmärkten standen die Zeichen ebenfalls auf Ausverkauf. Wegen dramatischer Kurseinbrüche wurde der Handel an mehreren Börsen in Europa und Asien ausgesetzt. Die Börse in New York stemmte sich zunächst gegen die Panik und startete im Plus. Nach kräftigem Auf und Ab setzten aber auch die US-Indizes ihre Talfahrt fort und schlossen am sechsten Handelstag in Folge mit Verlusten. Die Schwankungen waren nach Einschätzung von Analysten vor allem auf Schnäppchenjäger zurückzuführen.

Nach der konzertierten Leitzinssenkung von sechs Notenbanken um bis zu 50 Basispunkte und der Ankündigung der britischen Regierung, mit einer Finanzspritze von 50 Milliarden Pfund (65 Milliarden Euro) bei acht großen Banken einzusteigen, erholten sich die meisten Finanzwerte zunächst wieder von ihren massiven Kurseinbrüchen. Der Aufschwung währte allerdings nur kurz: Die Aktien der Deutschen Bank bildeten am Ende mit einem Minus von 10,7 Prozent auf 38,9 Euro das Schlusslicht im Dax. Dramatische Verluste gab es auch für den Autobauer Daimler (minus 10,7) und den Technologiekonzern Siemens (minus 9,9 Prozent). Einzige Dax-Gewinner waren SAP und Volkswagen. Börsianer bezeichneten das Kursplus von 0,9 Prozent beim Walldorfer Software-Hersteller als technische Erholung. Auch VW-Papiere legten ohne Nachrichten um 2,5 Prozent auf 294,25 Euro zu.

„Anleger sind nicht rational. Wenn einer verkauft, wollen alle verkaufen“, erklärte ein Experte die dramatischen Verluste. „Das ist zurzeit wie ein Lauffeuer: Alle wollen raus, raus, raus!“ Viele private Anleger flüchten wegen der Verunsicherung in Gold.

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 3,64 (Vortag: 3,73) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 1,01 Prozent auf 120,19 Punkte. Der Bund Future fiel um 0,22 Prozent auf 117,02 Zähler zu. Der Kurs des Euro ist gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3731 (Dienstag: 1,3632) Dollar fest. Der Dollar kostete 0,7283 (0,7336) Euro. Tsp

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