Börse : Notenbanken pumpen erneut Milliarden in den Markt

Die Währungshüter haben auf die drohende Kreditklemme reagiert. Die Europäische Zentralbank stellt den Banken 61 Milliarden Euro zu günstigen Konditionen zur Verfügung.

Frankfurt/New YorkUnsicherheit über das wahre Ausmaß der US-Immobilienkrise hat den Deutschen Aktienindex (Dax) zeitweise um mehr als zwei Prozent einbrechen lassen. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer schloss bei 7343,26 Zählern und damit noch 1,48 Prozent schwächer, nachdem es bereits am Donnerstag zwei Prozent eingebüßt hatte. Als Reaktion auf die Turbulenzen an den Geldmärkten stellte die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken erneut 61 Milliarden Euro zu günstigen Konditionen zur Verfügung. Damit reagierten die Währungshüter auf die sich andeutende Kreditklemme.

Die Anleger fürchteten, dass sich nach der Beinahe-Pleite der Mittelstandsbank IKB weitere Geldhäuser mit US-Immobilienkrediten verspekuliert haben könnten. Kursverluste mussten besonders Banken-Aktien hinnehmen. Postbank-Anteilsscheine standen an der Spitze der Dax-Verlierer: Sie fielen um 4,21 Prozent auf 53,75 Euro. Deutsche-Bank-Aktien verloren 3,46 Prozent, die Anteilsscheine von Hypo Real Estate 3,11 Prozent.

Eingreifen zeigt Wirkung

Aus Ungewissheit über das wahre Ausmaß der Immobilienkrise in den USA horten viele Banken offenbar Geld, um in schlechten Zeiten flüssig zu sein. Bereits am Donnerstag hatte die EZB zum ersten Mal in diesem Ausmaß seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 insgesamt 95 Milliarden Euro frisches Geld in die Märkte gepumpt, um eine Überreaktion zu verhindern.

Der maßgebliche Aktienindex der New Yorker Wall Street, der Dow Jones Industrial Average (DJIA), drehte nach kräftigen Kursverlusten von 2,83 Prozent am Vortag zumindest vorübergehend bei 13.306 Punkten leicht ins Plus. Gegen 20:18 Uhr MESZ stand das US-Börsenbarometer dann bei 13.185 Zählern gut 0,6 Prozent im Minus. Damit schien das Eingreifen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) unter dem Strich Früchte getragen zu haben. Die Fed hatte ebenso wie die EZB den Märkten Milliarden an frischem Geld bereitgestellt.

"Es ist die zermürbende Ungewissheit, die Investoren im Moment quält", sagte Henk Potts von Barclays Stockbrokers in London. "Das Problem ist, dass niemand auch nur eine Ahnung davon hat, wie viele der faulen US-Immobilienkredite im Ausland aufgekauft wurden", sagte Gilles Moec, Volkswirt bei der Bank of America in London. (mit AFP)

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