BÖRSEN Ausblick : Die Skepsis bleibt

Trotz furioser Aufholjagd fehlt die Orientierung.

Rolf Obertreis

Anleger reiben sich verwundert die Augen. Vor wenigen Tagen noch schien es nur eine Frage von Stunden, bis der Dax die Marke von 3600 Punkten nach unten durchbrechen würde. Doch auf einmal scheint auf dem Börsenparkett ein Hauch von Frühling einzuziehen. Innerhalb von wenigen Tagen hat der Dax mehr als zehn Prozent gut gemacht und die Hürde von 4000 Punkten genommen.

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Ein Mann vor allem hat den Umschwung eingeleitet: Vikram Pandit. Er ist Chef der schwer gebeutelten Citigroup, die seit Oktober von der US-Regierung mit insgesamt 45 Milliarden Dollar gestützt wurde. Jetzt braucht die Bank erst mal keine weitere Hilfe. Im Januar und Februar habe sie ordentliche Gewinne gemacht, sagt Pandit. Auch bei anderen Instituten in den USA und in Europa sieht es wieder etwas freundlicher aus. Deutsche-Bank-Chef Ackermann hatte dies bereits vor Wochen durchblicken lassen.

Der Schub für die Börse kommt auch aus dem Fernen Osten: Japan und China wollen ihre angeschlagene Wirtschaft mit gigantischen Konjunkturprogrammen stützen. In der Realwirtschaft sieht es dennoch nach wie vor düster aus: Ökonomen warnen, dass es erst 2010 wieder aufwärts gehen könnte. Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank, zeigte sich ähnlich skeptisch. Und bei Autoherstellern und Maschinenbauern ist der Ausblick mehr als trübe.

Ein Trend lässt sich deshalb aus der Kursentwicklung der letzten Tage kaum ablesen, glaubt Thomas Körfgen, Chef der Fondsgesellschaft SEB Asset Management. Die Börse im altbekannten Sinn gebe es nicht mehr. „Trends sind nicht zu erkennen. Die Börse schaut nur noch auf kurzfristig aufflackernde Nachrichten.“ Erst im April, wenn die ersten Banken ihre Quartalsberichte präsentieren, werden auch die Börsianer mehr Orientierung bekommen.

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