BÖRSEN Ausblick : „Jetzt Aktien zu kaufen wäre Wahnsinn“

Von Zuversicht kann keine Rede sein, auch wenn der Dax sich wieder etwas erholt hat. Experten sehen weiter eine Phase der Bodenbildung. Aber manch einer sieht doch schon einen schwachen Hoffnungsschimmer.

Rolf Obertreis
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Frankfurt am MainDie Aktionäre des US-Konzerns Caterpillar können sich glücklich schätzen: Der Kurs der Aktie ist seit Januar um 40 Prozent in die Höhe geschnellt. „Auch in diesen schwierigen Zeiten können sich Kurse rasant erholen“, sagt Klaus Kaldemorgen, Chef der DWS, der Fondstochter der Deutschen Bank. Auch hierzulande haben sich die Kurse zuletzt erholt. Trotz zwischenzeitlicher Rückschläge in der abgelaufenen Woche notiert der Deutsche Aktienindex Dax nach dem Wochentief von 4400 wieder bei mehr als 4600 Punkten. Von Zuversicht kann aber keine Rede sein – Experten sehen weiter eine Phase der Bodenbildung. Wie lange sie dauert und ob Rückschläge drohen, weiß niemand.

Daran ändert auch nichts, dass die Chefs deutscher Unternehmen laut neuestem Ifo-Index wieder leicht optimistisch in die Zukunft schauen. „Wir werden in den Sommermonaten Rücksetzer sehen und sollten die Entscheidung über Investments auf Wiedervorlage legen“, sagt Kaldemorgen und verweist auf Risiken wie zunehmende Insolvenzen oder steigende Arbeitslosigkeit. Auch Wieland Staud, renommierter Chartist, der aus dem historischen Verlauf der Kurse Schlüsse zieht, warnt vor dem Einstieg. „Die Situation gibt Anlass zur Hoffnung, aber der Trend nach unten ist noch nicht gebrochen. Jetzt zu kaufen wäre Wahnsinn.“ Das gehe frühestens in sechs Monaten.

Aber die Experten sind sich uneins. Beim Bankhaus Metzler sieht man zwar die Gefahr, dass die Krise noch länger dauert und die Gewinne unter Druck stehen. Frank Naab, Chef des Portfoliomanagements, sieht im jüngsten Kursaufschwung aber „mehr als einen Hoffnungsschimmer im Tal der Tränen“. Weltweit reichlich vorhandene Liquidität und günstige Bewertungen von Firmen sprächen für gute Chancen. „Mit der niedrigen Bewertung preisen Börsianer nicht nur einen oder mehrere Jahresabschlüsse mit Verlust, sondern sogar den Konkurs ein. Das ist in den meisten Fällen überzogen.“ Zudem rät er, nicht dem Herdentrieb zu folgen. „Gerade wenn die große Mehrheit der Anleger versichert, nie mehr etwas von Aktien wissen zu wollen, ist die Zeit gekommen, gestaffelt die zum Anleger passende Aktienquote zu erhöhen.“

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