Börsen : Wenn Hormone Kurse treiben

Psychologie ist wichtig für die Stimmung an den Finanzmärkten, aber auch die Hormonausschüttung. Denn Händler mit viel Testosteron verdienen mehr Geld.

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Angebliche Hormonprotze bei der Arbeit. -Foto: ddp

BerlinWie wichtig die Psychologie für die Stimmung an den Finanzmärkten ist, muss man inzwischen nicht mal mehr börsenfernen Menschen erklären. Dass aber auch Sexualhormone die Kurse treiben, ist eine vergleichsweise neue Erkenntnis. Wissenschaftler der britischen Eliteuniversität Cambridge haben jetzt nachgewiesen, dass die Spekulationsgewinne von Börsenmaklern von deren Testosteronspiegel abhängen. Je höher der morgendliche Pegel des männlichen Sexualhormons ist, desto höhere Gewinne erzielten die Trader im Laufe des Tages.

Für ihre Studie, die jetzt in den „Proceedings“ der amerikanischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurde, hatten die Forscher 17 Börsenmakler in der Londoner City an acht Arbeitstagen in Folge beobachtet. Zweimal täglich – jeweils am Morgen und am Abend eines Handelstages – maßen sie den Testosteronwert ihrer Probanden. Und siehe da: Sie entdeckten einen klaren Zusammenhang zwischen einem erhöhten Hormonstand zu Tagesbeginn und den bis zum Feierabend erzielten Gewinnen. Börsianer mit einem hohen morgendlichen Wert hatten am Ende des Tages oft mehr Geld verdient als andere.

Ein Grund dafür könnte nach Vermutung der Professoren John Coates und Joe Herbert sein, dass Testosteron Selbstvertrauen und Risikobereitschaft beim Mann erhöht. Das könnte Börsenprofis auch beim Kauf und Verkauf von Aktien mutiger und aggressiver machen, mutmaßen sie. Aber Vorsicht: Eine Überdosis kann verheerende Folgen haben. „Wenn der Testosteronstand exzessiv wird, wie dies etwa bei Spekulationsblasen der Fall ist, kann die Lust auf Risiko obsessiv werden“, warnt Coates. Dann könne das Urteilsvermögen in Mitleidenschaft ziehen. Der Franzose Jérôme Kerviel wird das bestätigen können: Er hatte bei der Société Générale unlängst 4,9 Milliarden Euro verzockt und damit die Finanzkrise beschleunigt.

Für die schlechte Stimmung danach könnte das Hormon Cortisol verantwortlich gewesen sein. Das ist eine Art körpereigener Gegenspieler des Testosterons, der ebenfalls Börsenentscheidungen beeinflussen kann, wie die Forscher herausfanden. Cortisol wird bei Stress ausgeschüttet und kann die gute Laune dämpfen. Bei problematischen Marktsituationen stieg die Produktion des Hormons bei den Aktienhändlern an. (pet)

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