Börsenausblick : Für einen Einstieg ist es noch nicht zu spät

Mehr Börsengänge werden zwar erst wieder für das nächste Jahr erwartet. Trotzdem öffnet sich der Aktienmarkt wieder mehr und mehr auch für Unternehmen. Weltweit jedenfalls sammeln Konzerne über Kapitalerhöhungen wieder reichlich Geld ein.

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - In Deutschland üben sich die Manager noch in Zurückhaltung. Aber auch hier steigt das Interesse. Mit ihrer Nachranganleihe wollte die Deutsche Bank eigentlich maximal eine halbe Milliarde Euro einsammeln, am Ende waren es 1,25 Milliarden Euro. Die Interessenten hätten der Bank, so war zu hören, sogar bis zu drei Milliarden Euro frisches Kapital angedient.

Solche Nachrichten helfen dem Aktienmarkt. Der Deutsche Aktienindex Dax strebt weiter nach oben, hat sich längst fest über der Marke von 5500 Punkten etabliert. Positive Konjunkturaussichten stützen die Entwicklung, mehr und mehr Volkswirte erwarten schon im dritten Quartal ein Wachstum von fast einem Prozent. Das beflügelt die Aussichten für die Gewinne der Unternehmen. Und dies treibt die Kurse.

Auch eher vorsichtige Beobachter wie etwa Börsenmakler Dirk Müller sehen den Dax weiter auf dem Weg nach oben. „Auch wenn alles nicht so rosig ist wie die Aktienmärkte vorgeben.“ Die Automobilindustrie wird aber nach dem Ende der Abwrackprämie wohl noch größere Probleme bekommen, die anstehende Pleitewelle dürfte zu Kreditausfällen bei Banken und Sparkassen und zu steigender Arbeitslosigkeit führen.

Trotzdem: Wer den Einstieg im Frühjahr und damit ein Kursplus von im Schnitt 50 Prozent verpasst hat, kehrt angesichts der positiven Aussichten jetzt an die Börse zurück. Es sei noch nicht zu spät, sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Privatanleger haben im Juli reagiert, 2,5 Milliarden Euro flossen allein diesem Monat in Aktienfonds. Im gesamten ersten Halbjahr waren es noch überschaubare 4,9 Milliarden Euro.

Auch der Blick zurück schürt Zuversicht. „Es klingt widersprüchlich, aber Rezessionsjahre sind überdurchschnittliche Aktienjahre“, weiß Hürkamp. Die Börsianer richten in solchen Phasen den Blick nach vorne.

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