Commerzbank : Kein Gewinn, keine Boni, keine Dividende

Die Commerzbank rutscht im Schlussquartal 2008 tief in die roten Zahlen. Doch der Aktienkurs steigt. Ob die Bank die Zinsen für die Staatshilfe zahlen kann, ist offen.

Rolf Obertreis

Frankfurt am MainNur durch eine Steuergutschrift von 465 Millionen Euro hat sich die Commerzbank im Jahr 2008 noch in die Gewinnzone gerechnet. Drei Millionen Euro Überschuss sind es unter dem Strich geworden. Im eigentlichen Bankgeschäft rutschte das Institut jedoch mit knapp 380 Millionen Euro ins Minus. Hauptgrund war der dramatische Einbruch im vierten Quartal mit einem Minus von 822 Millionen Euro. Boni wird die Bank für 2008 nicht zahlen.

2007 hatte das Institut noch einen Betriebsgewinn von 2,5 Milliarden und einen Nachsteuergewinn von 1,9 Milliarden Euro erzielt. Auch 2009 rechnet Finanzchef Eric Strutz offenbar mit einem Verlust. Dies dürfte vor allem an der anstehenden Integration der Dresdner Bank liegen, die rund zwei Milliarden Euro kosten soll. Erst 2010 bestehe wieder die Chance auf schwarze Zahlen, allerdings nur wenn sich die Konjunktur erhole, sagte er am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Commerzbank-Chef Martin Blessing äußerte sich per Pressemitteilung zum Jahresergebnis. Er bezeichnete das vierte Quartal als eines der schwersten in der Geschichte der Commerzbank. Das erste Halbjahr 2008 sei noch gut gelaufen.

Ohne Dividende auch kein Bonus

Die Commerzbank litt im vierten Quartal massiv unter den Folgen der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und der dramatischen Entwicklung auf den Finanzmärkten. Deshalb und wegen der Übernahme der Dresdner Bank musste sich die Commerzbank über den Banken-Rettungsfonds 8,2 Milliarden Euro als stille Einlage beschaffen. Daneben steigt der Bund über eine Kapitalerhöhung mit 25 Prozent plus einer Aktie bei der Commerzbank als Großaktionär ein. Die Details dafür sind nach Angaben von Finanzchef Strutz noch nicht geklärt. Offen ist seinen Worten zufolge auch, ob die Commerzbank in diesem Jahr die Zinsen von neun Prozent für die stille Einlage an den Bund überweist. Sollte der Gewinn dafür nicht ausreichen und die Zinsen aus dem Eigenkapital der Bank gezahlt werden müssen, werde der Vorstand dies vorher genau prüfen.

Fest steht allerdings, dass die rund 28.500 Mitarbeiter der Commerzbank für 2008 keinen Bonus erhalten. Solche Zahlungen seien vertraglich an die Ausschüttung einer Dividende gekoppelt, sagte Strutz. Da diese für 2008 gestrichen sei, werde es auch keinen Bonus geben. Für das Rekordjahr 2007 hatte die Bank noch rund 600 Millionen Euro als Erfolgsbeteiligung gezahlt, die unter rund 15000 Mitarbeitern aufgeteilt wurde.

Die Risiken sind gestiegen

Bonuszahlungen erhalten traditionell vor allem höherrangige Mitarbeiter, die übertariflich bezahlt werden. Strutz betonte aber, dass es bei der Commerzbank nie Exzesse bei Boni gegeben habe und auch nicht geben werde. Bis zum Sommer will die Bank ein neues, langfristig ausgerichtetes System erarbeiten.

Schwieriger ist die Situation nach Angaben von Strutz bei der Dresdner Bank, insbesondere bei deren Investmentbank- Ableger Dresdner Kleinwort. Dort sind Bonuszahlungen nicht an eine Dividende oder andere allgemeine Erfolgsziffern gekoppelt. „Hier sind wir auf den guten Willen der Betroffenen angewiesen. Einige haben schon freiwillig verzichtet. Ich hoffe, dass andere diesem Beispiel folgen.“ Insgesamt soll es um Bonuszahlungen von 400 Millionen Euro gehen.

Immerhin konnte die Commerzbank 2008 in ihren angestammten Geschäftsbereichen den Gewinn zum Teil sogar steigern. Im Privatkundengeschäft lag der Überschuss bei 551 Millionen nach 401 Millionen Euro im Vorjahr, in der Mittelstandsbank waren es 868 Millionen nach 980 Millionen Euro und im Geschäft in Osteuropa 304 Millionen nach 272 Millionen Euro. Allerdings sind auch hier die Risiken, wie Strutz einräumt, deutlich gestiegen.

Diese Zahlen wurden aber durch den dramatischen Verlust der Investmentbank-Sparte mehr als zunichte gemacht. Dort rutschte die Bank mit 1,69 Milliarden Euro ins Minus. Auch im Immobiliengeschäft ergab sich ein Verlust von 424 Millionen Euro.

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