Finanzen : Crash – was nun?

Wie Anleger auf den Kurseinbruch reagieren sollten und sicher durch die Krise kommen

Veronika Csizi

„Jetzt kaufen – oder lieber alles verkaufen?“, fragt ein panischer Anleger in einer Finanzcommunity im Internet. Die Verunsicherung war selten größer: Wird es bei den 21 Prozent, die der Dax seit Jahresanfang schon verloren hat, bleiben? Hat der Crash den Markt bereinigt, so dass nach einer – vielleicht längeren – Phase der Bodenbildung und Beruhigung wieder Platz für steigende Kurse ist? Oder geht es nach einer kurzen Erholung weiter abwärts, geradewegs in eine jahrelange Baisse? Niemand weiß es. Vernünftige Argumente lassen sich für alle Szenarien finden.

Anlegern bleibt also nichts anderes übrig, als sich für alle Eventualitäten zu wappnen, also Verlustrisiken zu begrenzen, ohne Gewinnchancen völlig ad acta zu legen. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um alte Bestände oder Neukäufe aus diesen Tagen handelt. Absicherung heißt hier das Zauberwort.

ABSICHERUNG NACH UNTEN

Sinnvoll ist zunächst ein absolut striktes Stopp-loss-Management. Das heißt: Der Anleger erteilt der Bank den Auftrag, eine Aktie ab einem bestimmten Kurs automatisch zu verkaufen. Wo exakt dieser Kurs liegen sollte, hängt davon ab, ob beziehungsweise wie hoch der Anleger mit einem Papier im Gewinn ist, wie stark es schwankt und wie hoch seine Risikobereitschaft ist.

Ein Beispiel: Wer etwa die Aktie der BASF schon vor drei Jahren gekauft hat, liegt noch rund 60 Prozent im Plus, kann sein Verkaufslimit also getrost 20 bis 30 Prozent unter dem aktuellen Kurs ansetzen. Ist das Papier jedoch erst im Dezember bei 100 Euro oder aktuell bei 83 Euro gekauft worden, muss die Stopp-loss-Marke deutlich enger gesetzt werden – mit dem Risiko, in stark schwankenden Zeiten schnell aus dem Markt gekegelt zu werden.

Auch mehrere tausend Fonds können an den Börsen (nicht aber bei den Fondsgesellschaften direkt) mit dieser Absicherung versehen werden. Der Nachteil: Kommt es, wie zuletzt, zu panischen Verkäufen, liegt der Verkauf oft weit unter der Stopp-loss-Marke, denn verkauft wird grundsätzlich zum ersten Kurs nach Erreichen des Limits.

ZERTIFIKATE STATT AKTIEN

Schutz bietet zudem der Tausch eines Direktinvestments, etwa einer Aktie, in ein Bonus-Zertifikat. Der Charme liegt in seiner Konstruktion: Es bietet dem Anleger die Möglichkeit, auch dann einen vorher festgelegten Bonus einzukassieren, wenn eine Aktie oder ein Index während der Laufzeit nicht unter eine ebenfalls vorher festgesetzte Schwelle fällt.

Ein Beispiel: Der Käufer des Dax-Bonus-Zertifikats von BNP Paribas (Wertpapierkennnummer: BN1GYX) zahlt aktuell 82,55 Euro und erhält dafür am 19.Dezember 102 Euro zurück. Der Bonus von gut 20 Prozent wird aber nur gezahlt, wenn der Dax bis dahin nicht unter 5300 Punkte fällt. Bei aktuell rund 6600 Punkten kann der Dax also um 1300 Punkte oder rund 20 Prozent fallen, ohne dass der Gewinn verfällt. Sinkt der Dax tiefer, dann verwandelt sich das Zertifikat in ein Direktinvestment, das sich 1 : 1 am Index orientiert. Finanziert wird die Risikoabsicherung meist durch den Verzicht auf Dividenden oder durch eine Deckelung der Gewinnchance im Falle steigender Märkte. Grundsätzlich gilt: Je näher die Barriere, desto höher die Bonusrendite. Bei einer Barriere von 4000 Dax-Punkten schmilzt der Bonus bei gleicher Laufzeit auf etwa sieben Prozent. Umgekehrt heißt dies aber: der Dax kann um weitere 40 Prozent fallen – und der Anleger streicht seinen Obolus trotzdem ein.

Weil im Crash jedoch reihenweise Bonusschwellen unterschritten wurden, haben sich US-Banken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley etwas Neues ausgedacht. Das „Capped Recovery Bonus Zertifikat“ (Wertpapierkennnummer: JPM0NA) von Morgan Stanley bietet dem Anleger eine zweite Chance auf eine Bonuszahlung in fallenden Märkten: Sollte der Euro Stoxx 50 zwischen dem 26.Januar 2008 und Ende Januar 2013 nie um insgesamt 55 Prozent gefallen sein, so erhält der Anleger einen Bonus von 50 Prozent auf sein Investment, was einer Jahresrendite von 8,4 Prozent entspricht.

Wer an stärker fallende Märkte glaubt, kann auch Reverse-Bonus-Zertifikate wählen. Hier liegt die Barriere über dem aktuellen Marktniveau, so dass der Bonus nur dann gezahlt wird, wenn die Kurse bis Laufzeitende nicht zu kräftig steigen.

Auch Discount-Zertifikate eignen sich für unsichere Zeiten. Hier kauft der Anleger eine Aktie, einen Aktienkorb oder einen Index mit einem Discount, einem Abschlag, der dann als Puffer für Verluste wirkt. Der Anleger fährt also bei seitwärts laufenden oder fallenden Märkten immer besser als der direkte Käufer einer Aktie, bezahlt dies umgekehrt jedoch mit der Deckelung der Gewinnchancen, mit einem sogenannten Cap. So kann man etwa die Allianz-Aktie (rund 112 Euro) gegen ein Zertifikat der Citi-Bank (Wertpapierkennnummer: CG72XB) für etwa 90 Euro tauschen. Da der Anleger am Laufzeitende die Aktie erhält, kann das Papier also um etwa 20 Prozent fallen, ohne dass Verluste entstehen. Der Cap liegt hier – bis 2011 – bei 230 Euro, so dass der Anleger bis zu diesem Level an steigenden Kursen mitverdient. In der Regel ist der Rabatt höher, je länger der Schein läuft.

INDEX MIT FALLSCHIRM

Eine bei vielen Privatanlegern eher unbekannte Anlagemöglichkeit mit Fallschirm hat die Société Générale im Angebot. Über ihre Tochter Lyxor hat die Bank inzwischen 66 sogenannte „Exchange Traded Funds“ (ETF) im Programm, darunter auch drei, die eine Indexanlage mit einer Absicherung verknüpfen.

Beispielsweise beteiligt sich der Anleger beim Lyxor ETF DaxPlus Protective Put (Wertpapierkennnummer: LYX0BU) direkt an der Entwicklung des Dax, ist jedoch über eine Verkaufsoption (Put) gegen Verluste von sieben Prozent pro Quartal abgesichert. Eine Rückberechnung habe ergeben, sagt Lyxor-Sprecher Jürgen Donath, dass der Dax Protective Put in der Baisse der Jahre 2000 bis 2003 den Dax deutlich geschlagen habe. Und mit einem Jahresplus von 8,35 Prozent zwischen Dezember 1992 und Dezember 2007 habe er den Leitindex (plus 10,08 Prozent) „nur unwesentlich unterboten“ – bei „deutlich geringerem Risiko“. Ein Fallnetz für kleinere Verluste (bis zu fünf Prozent) bieten der Lyxor Dax Plus Covered Call beziehungsweise dessen europäische Variante EuroStoxx 50 Buywrite.

Die Vorteile eines ETF: Da die Banken einfach nur einen Index, eine Aktie, eine Anleihe oder einen Rohstoff abbilden und somit keinen Fondsmanager in Anspruch nehmen, sind Indexpapiere sehr transparent, günstig und flexibel. Sie können jederzeit an der Börse zu relativ geringen Gebühren ge- und verkauft werden.

PUT-OPTIONEN FÜR ERFAHRENE

Erfahrene Anleger können das Depot auch direkt mit einer Spekulation auf fallende Kurse schützen, etwa mit Verkaufsoptionen (Puts) oder Zertifikaten auf den Short-Dax. Während Puts mit einem „Hebel“ arbeiten, was einen Vollkaskoschutz mit relativ geringem Einsatz ermöglicht, profitieren Short-Zertifikate (etwa das Dax Bär Index-Zertifikat LBB119 der Landesbank Berlin) 1:1 nur von einem fallenden Index. Sie eignen sich also eher für Anleger, die klar an fallende Märkte glauben.

Wer Puts kaufen möchte, muss seiner Bank die Termingeschäftsfähigkeit nachweisen, also garantieren, dass er über Risiken informiert ist. Und es muss genau gerechnet werden, denn Optionsscheine verlieren zum Laufzeitende hin auch dann an Wert, wenn sich der Markt gar nicht bewegt. In Phasen großer Nervosität und hoher Schwankungen steigen außerdem die Preise für Optionsscheine gewaltig.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben