Finanzen : Das Gespenst der Inflation

Wie Anleger von der Geldentwertung betroffen sind – und wie sie sich davor schützen können

Nils-Viktor Sorge,Henrik Mortsiefer

Die Inflationsangst ist wieder da. Mit 2,4 Prozent lag die Geldentwertung zuletzt so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr. Und den Notenbanken, die sonst mit Zinserhöhungen gegensteuern könnten, sind wegen der Finanzkrise die Hände gebunden (siehe Kasten). Wer sich nicht schützt, verliert Geld: Ein Anleger, der 25 000 Euro mit drei Prozent verzinst bekommt, hat nach einem Jahr zwar 750 Euro erspart. Doch davon zieht die Bank ab 2009 Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag in Höhe von etwa 28 Prozent ab – es bleiben also noch 540 Euro. Das entspricht einem effektiven Zins von 2,16 Prozent. Bei einer Inflation von 2,4 Prozent verliert die Anlage daher beständig an Wert. Nominal ist sie nach 20 Jahren zwar auf 38 332 Euro gewachsen, inflationsbereinigt ist der Wert jedoch auf 23 830 Euro gesunken. Anleger sollten daher gegensteuern.

STAATLICHE ANLEIHEN

Wer dem deutschen Staat sein Geld leiht, bekommt es mit Sicherheit wieder. Die Deutsche Finanzagentur lockt mit zwei neuen inflationsgeschützten Anleihen Sparer, die mit einer steigenden Teuerung rechnen. Die Anleihe 103050 schüttet bei einer Laufzeit bis 2016 zwar jährlich nur 1,5 Prozent aus, dazu gibt es jedoch bei Fälligkeit einen Zuschlag in Höhe der Euroraum-Inflationsrate (laut harmonisiertem Verbraucherpreisindex). Je nach Höhe der Inflation liegt der Gesamtertrag also über oder unter dem einer höher verzinsten normalen Bundesanleihe. „Wer in Sachen Teuerung pessimistisch ist, kann eine inflationsgeschützte Anleihe gut mit ins Depot nehmen“, sagt Karin Baur, Geldanlageexpertin bei der Zeitschrift „Finanztest“. Bis 2013 läuft die Bundesobligation 103051 – zusätzlich zur Inflationsrate ist sie mit 2,25 Prozent verzinst.

RENTENFONDS

Leichter in der Handhabung sind inflationsgesicherte Fonds. Sie investieren in inflationsgesicherte Anleihen mehrerer Länder, so etwa der „Cominvest Inflationsschutz“ (Wertpapierkennnummer A0DKRF). „Ein Vorteil für den Privatanleger ist, dass er sein Investment flexibler und mit geringeren Anlagebeträgen gestaltet. Beispielsweise als Fondssparplan“, sagt Commerzbank-Wertpapierstratege Johannes Krick. Allerdings sind solche Fonds mit Zusatzkosten verbunden. Cominvest verlangt drei Prozent Ausgabeaufschlag und jährlich 0,6 Prozent Managementgebühr. DWS erhebt für seinen „Invest Inflation Protect“ (A0B5JS) drei Prozent Aufschlag und eine Managementgebühr von 0,75 Prozent.

AKTIEN UND AKTIENFONDS

Mit Aktien haben Anleger schon die heftigsten Inflations-Turbulenzen ausgesessen. „Aktien stellen grundsätzlich einen realen Vermögenswert dar“, sagt Berater Krick. „Sobald ich einen realen Vermögenswert halte, bin ich vor der Inflation geschützt.“ Der Kurs des Wertpapiers basiert auf dem Vermögen der Firma und den abgeleiteten erwarteten Gewinnen. Die dürften mit der Inflation ansteigen: Das Unternehmen verkauft seine Produkte zu höheren Preisen. Sehr hohe Inflationsraten könnten allerdings eine Wirtschaftskrise nach sich ziehen. Streuen lässt sich das Risiko mit Aktienfonds.

IMMOBILIEN

Gebäude und Grundstücke trotzen der Inflation ebenfalls, weil sie reale Werte darstellen. „Die Werte der Immobilien steigen analog zur Inflation, sofern Angebot und Nachfrage gleich bleiben und andere Einflüsse außen vor bleiben“, sagt Wertpapierstratege Krick. Das Gleiche gilt für Mietpreise. „Damit steigen auch die nominalen Erträge aus einem Immobilienfonds“, sagt Krick. Offene Fonds sind seiner Ansicht nach mit weniger Risiken als die eigene Immobilie verbunden.

GOLD

Das Edelmetall ist der Klassiker in Sachen Inflationsschutz. An der Preisentwicklung des Goldes, das weder Dividende noch Zinsen abwirft, ist dies ablesbar: Der Wert einer Feinunze ist binnen zwölf Monaten um mehr als 30 Prozent auf zuletzt 810 Euro gestiegen. Halten der Inflationsdruck und die Unsicherheit an den Aktienmärkten an, dürfte das Metall noch teurer werden. Auch der schwache Dollar treibt die Notierungen nach oben. Anleger, die Gold nicht in Barren oder Münzen kaufen wollen, greifen zu sogenannten ETFs, das sind an der Börse gehandelte Indexfonds, die sich am Goldpreis orientieren.

VERSICHERUNGEN

Renten- oder Lebensversicherung werfen aktuell einen Garantiezins von 2,25 Prozent auf die Sparsumme ab. Gegenwärtig reicht er also nicht aus, um die Inflation zu kompensieren. Anleger sind mehr als sonst darauf angewiesen, dass die Versicherungen zusätzlich mehr erwirtschaften. In der Vergangenheit hätten bei hohen Inflationsraten höhere Marktzinsen die Geldentwertung stets mehr als ausgeglichen, sagt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen, Arno Gottschalk. Doch Finanzkrise und schwacher Dollar bremsen derzeit das Zinsniveau im Euroraum. Zum Schutz vor Inflation sollten Versicherte überlegen, ob sie sich ihre Rente dynamisch, also mit steigenden Raten, auszahlen lassen und dafür niedrigere Anfangsbeträge in Kauf nehmen.

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