Datenaffäre : Freie Vertreter können Postbank-Konten einsehen

Rund 4000 freie Vermittler der Postbank können Kontostand und Kontobewegungen von Kunden abfragen. Damit wolle das Institut den Verkauf ihrer Produkte fördern, berichtet die Stiftung Warentest. Die Datenschutzbehörde NRW prüft den Fall.

Carsten Kloth
Postbank
Die Zentrale der Postbank in Bonn. -Foto: dpa

Die Postbank gewährt offenbar Tausenden von freien Handelsvertretern detaillierten Einblick in Girokonten ihrer Kunden. Dies berichtet die  Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest.

Aus Sicht der Postbank erfolge die Weitergabe der Kunden- oder Kontodaten ausschließlich anlassbezogen unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Dafür sei nach Darstellung der Bank keine gesonderte Einwilligung des Kunden erforderlich - Datenerhebung, Verarbeitung und Nutzung würden im Rahmen der Vertragsbeziehung erfolgen.

Ariane Lauenburg von der Stiftung Warentest berichtet gegenüber Tagesspiegel.de von ihrem Fall. Sie selbst sei von der Weitergabe der Daten betroffen, obwohl sie nie eine Einwilligungserklärung unterschrieben habe. Dabei sei es nicht nur um Adressdaten, sondern eben auch um Kontodaten gegangen. Dem "Finanztest"-Bericht zufolge brauchen die Vertreter lediglich den Namen und das Geburtsdatum von Kunden in eine Unternehmensdatenbank eingeben. Dann könnten sie nicht nur sehen, wie viel Geld ein Kunde auf dem Konto hat, sie hätten ebenso Einsicht in alle Kontobewegungen.

Die für die Postbank zuständige Datenschutzbehörde in Nordrhein-Westfalen hält dies für unzulässig. Im Gegensatz zu Adressdaten dürften Kontodaten beziehungsweise Daten zu Finanzgeschäften keinesfalls ohne Einwilligungserklärung weitergegeben werden.  Nach Darstellung der Stiftung Warentest sei der Blick auf Kontobewegungen selbst dann unzulässig, wenn Kunden die Einwilligungserklärung zur Weitergabe von Kundendaten unterschrieben hätten. Die Datenschutzbehörde NRW will die Vorwürfe gegenüber der Postbank nun prüfen, zumal zahlreiche Beschwerden vorliegen würden. Für Mitte November sei dann ein Gespräch mit der Postbank vorgesehen.

Auch prominente Kunden betroffen

Wie "Finanztest" weiter berichtet, liegen dem Magazin die Kontendaten und Briefwechsel zahlreicher Postbank-Kunden vor. Darunter befänden sich auch Prominente wie der Vorstand des Axel-Springer-Konzerns Mathias Döpfner, oder des ehemaligen Präsidenten von Borussia Dortmund, Gerd Niebaum. Sie alle hätten der Weitergabe ihrer Daten laut Dateneintrag nicht zugestimmt. Die Kontodaten einzelner Chefs der Postbank-Gruppe seien hingegen vor dem Blick der Berater extra geschützt.

Die Daten sollen den rund 4000 freien Mitarbeitern der 2006 gegründeten Postbank Finanzberatung AG offenbar ihre Arbeit erleichtern. Das Vertriebsunternehmen verkauft Produkte der Postbank und der BHW Bausparkasse. Sobald ein höherer Geldbetrag auf einem Konto eingeht, können die Berater den Kunden anrufen, um Geldanlagen zu verkaufen.

Die Postbank betont, dass die Finanzberater die ihnen bekannt gewordenen Daten ausschließlich im Rahmen der Aufgabenerledigung verarbeiten und nutzen dürften. Eine anderweitige Verarbeitung und Nutzung - auch für eigene Zwecke - sei vertraglich ausdrücklich ausgeschlossen. Gegen Verstöße würde vorgegangen. 

Die Stiftung Warentest rät Postbankkunden, die nicht wollen, dass ihre Kontodaten eingesehen werden, sich schriftlich an das Unternehmen wenden. Sie sollten die Postbank auffordern, die Weitergabe ihrer Daten zu stoppen.

Eine Sprecherin der Berliner Sparkasse schloss eine Weitergabe von Privatkundendaten an Dritte aus. Einblick in die Daten hätten nur Mitarbeiter der Landesbank Berlin AG, zu der die Sparkasse gehört.





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