Deutsche Bank : Die Aktionäre schonen Ackermann

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank erntet der Chef Josef Ackermann überwiegend Lob. Der gibt sich trotzdem reumütig.

Rolf Obertreis
Ackermann
In der Kritik. Josef Ackermann. -Foto: ddp

Frankfurt am Main - Von Zwist an der Spitze der Deutschen Bank war auf der Hauptversammlung am Dienstag in Frankfurt nichts zu spüren. Die Kritik der mehr als 5000 Anteilseigner hielt sich in Grenzen. Die Mehrheit der Sprecher lobte Bankchef Josef Ackermann dafür, dass er die Bank mit einem „blauen Auge“ durch die Krise geführt habe und noch bis 2013 Vorstandschef bleiben will. „Die Verlängerung des Vertrags von Ackermann ist die beste Lösung für die Deutsche Bank“, sagte Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Auch die von vielen erwartete Konfrontation zwischen Vorstandschef Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig blieb aus. Der Antrag auf Abwahl Börsigs als Versammlungsleiter wurde mit mehr als 99 Prozent der Stimmen abgelehnt. Der Aufsichtsrat stellte sich gleich am Anfang in einer Erklärung hinter Börsig, der sich angeblich Ende April als Nachfolger von Ackermann an die Spitze der Bank manövrieren wollte. Börsig und Ackermann versicherten sich gegenseitig, sie freuten sich auf die weitere Zusammenarbeit.

Einer von Aufsichtsratsmitglied Tilman Todenhöfer verlesenen Erklärung zufolge hat das Kontrollgremium erst im Herbst 2009 eine Entscheidung über einen Nachfolger für Ackermann treffen wollen, der im Mai 2010 aus dem Amt scheiden sollte. Aufgrund der zunehmenden Spekulationen über mögliche Nachfolger habe man die Entscheidung aber auf Ende April vorgezogen. Bei der Suche habe der Aufsichtsrat auch die Notwendigkeit gesehen, „Börsig in die Pflicht zu nehmen“. Der habe aber deutlich gemacht, dass er keine Ambitionen auf den Chefsessel habe und Vorsitzender des Aufsichtsrats bleiben wolle. Kritik an Börsig sei deshalb völlig unbegründet. Als Ackermann dann seine Bereitschaft erklärt habe, seinen Vertrag zu verlängern, habe kein Bedarf mehr bestanden, die Suche nach einem Nachfolger fortzusetzen. Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gab sich mit der Erklärung nicht zufrieden. Durch sein unglückliches Vorgehen bei der Suche nach einem Ackermann-Nachfolger habe Börsig selbst die Werkzeuge für seine eigene Demontage gelegt. Andere Aktionäre forderten Börsig zum Rücktritt auf.

Ackermann erwartet, dass das Jahr 2009 angesichts der Wirtschaftskrise nicht einfach wird. Trotzdem verbreitete er Zuversicht: Die gute Entwicklung des ersten Quartals, als die Bank einen Nachsteuergewinn von 1,2 Milliarden Euro verbucht hatte, habe sich im zweiten Quartal fortgesetzt. Der Vorstand lasse sich vom Rekordverlust des Vorjahres von 3,9 Milliarden Euro nicht entmutigen. „Wir sind zuversichtlich, Ihnen künftig wieder eine bessere Ertrags- und Gewinnentwicklung vorlegen zu können.“ Die wahre Ertragsstärke der Deutschen Bank bewege sich bereits fast wieder auf dem Niveau vor dem Ausbruch der Krise im ersten Halbjahr 2007.

Ackermann versicherte, dass die Bank auch bei einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern keine übermäßigen Risiken eingehe. „Wir erreichen diese Rendite, weil wir ein überzeugendes Geschäftsmodell und eine starke Marktposition haben.“ Er sei froh darüber, dass die Bank nicht nach Staatshilfe rufen müsse. Die Deutsche Bank profitiere aber von den weltweiten Maßnahmen gegen die Krise. Mit der Rettung der Immobilienbank Hypo Real Estate, zu der die Deutsche Bank zwölf Milliarden Euro beigesteuert habe, sei möglicherweise das europäische Finanzsystem gerettet worden.

Aktionärsvertreter wie DSW-Sprecher Nieding oder SdK-Vorsitzender Schneider dankten Ackermann ausdrücklich dafür, dass die Bank die Krise glimpflich überstanden habe, auch wenn es Pannen und Fehler gegeben habe. Nur vereinzelt warfen Aktionäre Vorstand und Aufsichtsrat Versagen vor. Forderungen nach dem gesamten Rücktritt aller Manager blieben ungehört.

Ackermann gab vor den Aktionären aber auch zu, dass die Banken Fehler gemacht hätten. „Zum Teil sogar sehr schwere Fehler. Risiken wurden falsch eingeschätzt oder teilweise übersehen. Finanzprodukte waren vielfach zu kompliziert und intransparent“, sagte er. Jetzt gelte es, aus den Fehlern zu lernen.

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