Deutsche Bank : Spitzelaffäre hat keine Folgen für Ackermann

Deutsche-Bank-Chef Ackermann darf aufatmen: Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wird in der Spitzelaffäre keine Ermittlungen gegen Topmanager des Geldinstituts einleiten.

Die Spitzelaffäre bei der Deutschen Bank bleibt für Vorstandschef Josef Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig ohne strafrechtliche Folgen. Man habe keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglieder in strafrechtlich relevanten Aktivitäten einbezogen waren. Das teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Donnerstag mit.

Die Staatsanwaltschaft hat allerdings Ermittlungen gegen die "vermutlich Verantwortlichen" für Verstöße gegen den Datenschutz eröffnet. Namen nannten die Behörden nicht. Seit mehreren Monaten untersuchen neben der Staatsanwaltschaft auch der hessische Datenschutz-Beauftragte und die Finanzaufsicht Bafin den Fall.

In der Affäre hatten Detektive im Auftrag der Bank mit unlauteren Methoden Aktionäre und das eigene Führungspersonal ausgespäht. Die Verantwortung für die Ausspähaktionen sollen laut Deutscher Bank der frühere Leiter der Investor Relations und der ehemalige Sicherheitschef tragen. Beiden hatte die Bank bereits vor Monaten gekündigt, wogegen sie vor dem Arbeitsgericht Klage einreichten. Eine Entscheidung will das Arbeitsgericht erst im Januar 2010 verkünden.

Die Deutsche Bank hatte die Affäre Ende Mai öffentlich gemacht, woraufhin die Bespitzelten Strafanzeige stellten. Die entlassenen Abteilungsleiter sollen die Detektive auf den kritischen Aktionär Michael Bohndorf angesetzt haben. Sie sollten Beweise dafür sammeln, dass Bohndorf mit dem Intimfeind der Deutschen Bank, Leo Kirch, zusammenarbeite. Kirch überzieht die Deutsche Bank seit Jahren mit Prozessen, weil er sie für den Niedergang seines Medienimperiums mitverantwortlich macht.

Auf Bohndorf soll unter anderem ein weiblicher "Lockvogel" angesetzt worden sein. Auch das Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti soll ins Visier der Detektive geraten sein. An dem Wagen von Lambertis Frau befestigten die Detektive laut Anzeige einen Peilsender und schmuggelten einen präparierten Blumenstrauß mit eingebautem Mikrofon in sein Haus. Zudem sollen die von der Deutschen Bank beauftragten Detektive einen Bespitzelungsversuch bei Kirchs Anwälten gestartet, dann jedoch abgebrochen haben.

Die Deutsche Bank begrüßte die Entscheidung. "Die Staatsanwaltschaft bestätigt unsere Einschätzung", sagte ein Sprecher auf Anfrage. "Wir sehen den weiteren laufenden Ermittlungen mit Zuversicht entgegen." Das Kreditinstitut hatte bereits Anwälte mit der Untersuchung der Affäre betraut, die zum gleichen Ergebnis gekommen waren. Zwischenzeitlich war auch Aufsichtsratschef Clemens Börsig in die Schusslinie geraten. Die Staatsanwaltschaft bescheinigte ihm nun ein tadelloses Verhalten, genauso wie Konzernchef Josef Ackermann und anderen Führungskräften.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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